2019

 

11. Januar 2019: Arbeitskreis Reformation im Reich und in Europa - IX. Abend: Huldrych Zwingli 

 

Mit dem Thema „Huldrych Zwingli – 1484 – 1531“ stieß der Kreis geschichtlich in ungewohnte Dimensionen vor, denn die Geschichte der alten Eidgenossenschaft ist uns weniger geläufig. Schon an die Tatsche, dass sich in der Schweiz alles im Rahmen von Kantonen abspielt, bedarf unserer Gewöhnung. Auch dass zwischen diesen Kantonen immer wieder Kriege stattfanden, mussten wir lernen und uns von der Annahme befreien, dass die Schweiz schon immer ein friedliebendes Land gewesen sei. Dem entsprach es, dass wir erstaunt waren, dass die Schweiz jahrhundertelang die europäischen Länder aller Himmelsrichtungen, vor allem auch den Papst und damit den Kirchenstaat mit Truppen versorgte. 

Huldrych Zwingli aus Wildhaus im Kanton St. Gallen war fast so alt wie Martin Luther. Er studierte in Wien und Basel und erhielt 1506 die Priesterweihe. Als Pfarrer von Glarus nahm er 1515 als Feldprediger an der Schlacht bei Marignano auf der Seite der päpstlichen Truppen gegen den französischen König teil, konnte aber nicht verhindern, dass die Schweizer Kantone dann doch die Seiten wechselten.

Zwingli studierte als Schüler des großen Humanisten Erasmus von Rotterdam nicht nur das Lateinische, sondern auch die griechische Sprache und war so in der Lage die Bibel in der Ursprache zu lesen. Als Papstanhänger verlor er seine Pfarrstelle und ging zuerst nach Einsiedeln und dann nach Zürich (1519). Dort erreichte er seinen reformatorischen Durchbruch durch einen Akt provokativen Fastenbrechens, denn er hielt sich einfach nicht an das Fastengebot. Da es keine Trennung von Kirche und Staat gab, wurde öffentlich vor dem Rat der Stadt Zürich über das Fasten debattiert, das schließlich abgeschafft wurde (1523). Im Herbst des Jahres folgte die zweite Disputation mit fast 900 Teilnehmern und dem Ergebnis des Bilderverbots. Schließlich wurde im Zuge der dritten Disputation die Messe abgeschafft. Mit 38 Jahren heiratete er die Frau, die ihn als Pestkranken gepflegt hatte. 

Zwingli übersetzte das Alte und das Neue Testament aus den Ursprachen ins Deutsche. Die Zürcher Bibel war 5 Jahre vor der Lutherbibel fertig. Als Philipp von Hessen einen großen protestantischen politischen Bund schließen wollte, lud der Fürst alle wichtigen Reformatoren 1529 nach Marburg ein. Aber Luther wollte sich auf die Position Zwinglis in der Abendmahlsfrage nicht einlassen. Zwei Jahre danach brach ein Krieg zwischen Zürich und den fünf katholischen Urkantonen aus, in dessen Verlauf Zwingli den Tod fand. 

Zwingli war ein vom Humanismus erasmischer Provenienz geprägter Theologe, der sich deutlich von Luther unterschied. Das Abendmahlsverständnis Luthers lehnte er ebenso ab wie die Zwei-Reiche Lehre. 

Abb. Zürcher Bibel, Übersetzung von Zwingli 1524/1529

 

 

21. bis 27. Januar 2019: Ökumenische Bibelwoche der fünf Gemeinden in unserer Region

Die diesjährige Ökumenische Bibelwoche zum Philipperbrief wurde vom 21. bis zum 24. Januar  von den vier Gemeinden unserer Region sowie der Freien evangelischen Gemeinde Hannover ausgerichtet. Jeder Tag der Woche stand unter einem anderen Thema bzw. Textabschnitt und fand in einer anderen Gemeinde jeweils ab 19.30 Uhr für die Region veranstaltet. Träger d

er Veranstaltungsreihe und der Materialien ist die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland“(ACK). 

Am 22. Januar fand das Treffen in St. Philippus statt. Es waren 36 Besucher anwesend. 

Der Text, der für den Abend vorgegeben war, stand im Brief des Paulus an die Philipper im 1. Kapitel, in den Versen 1 – 26 , sowie im 2. Kapitel in den Versen 1-11. Es ist ein Text, der in klassischer Weise zusammenfasst, was es bedeutet, christlich zu leben. Es ist zudem ein Text, der eine wichtige Stelle der paulinischen Christologie enthält: „Diese Gesinnung heget in euch, die auch in Jesus Christus war. ... Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ 

Es war ein ein langer Text mit durchaus schwergewichtigen Textstellen, so dass – nach einer historischen Einführung durch Frank Schlieter und einführenden Worten unserer Pastorin methodisch auf eine Form der Arbeitsteilung durch Gruppenbildung zurückgegriffen werden musste. Eine der so gebildeten Arbeitsgruppen befasste sich mit dem Thema des Leidens als Christ, was im Vers 29 deutlich ausgesprochen ist: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden ...“ Leiden um Christi willen war eine jahrhundertelang bewusst geübte christliche Praxis, die als Nachfolge Christi bezeichnet wurde. Heute ist sie vielen so fremd geworden. Daher wurden Beispiele zusammengetragen und Erfahrungen ausgetauscht, was Leiden um Christi willen heute eigentlich heißen könne. In anderen Gruppen ging es um andere Themen des Textes, die am Schluss zusammengetragen wurden. 

Es ist eine wichtige Erfahrung mit Menschen aus verschiedenen Gemeinden zu sprechen, die einem bislang weitgehend unbekannt waren, weil sie in anderen Teilen des Region leben und teilweise zu konfessionell anders ausgerichteten Gruppen gehören. Aber es ist eine denkbare Form geistlichen Lebens in unseren Gemeinden, die dem sonstigen gottesdienstlichen Geschehen gegenüber den besonderen Charakter der menschlichen Begegnung enthält. 

 

25. Januar 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Gedenkkultur

Der Männerkreis befasste sich am 25. Januar mit der Gedenkkultur für die Opfer von Krieg und Gewalt zwischen 1933 und 1945. Dazu war der Burgwedeler Kommunalpolitiker Rudolf Gutte eingeladen, der über die jahrelange Debatte in Großburgwedel ein Buch geschrieben hatte mit dem Titel „Vom Soldatenehrenmal zum Denkmal für alle Opfer des Nationalsozialismus.“ Schon der Titel ist Programm, denn Rudolf Gutte engagiert sich für die Erweiterung des Opferbegriffs. Nicht nur die Soldaten sind für ihn Kriegsopfer, sondern auch die indirekt durch Kriegshandlungen ums Leben gekommenen Menschen, seien sie Bombenopfer oder anderweitig durch Kriegseinwirkungen  zu Tode gekommenen Zivilopfer. Opfer von Krieg und Gewalt waren aber auch diejenigen, die aufgrund des massiven NS-Rassenwahns ihr Leben verloren. Schließlich gehören die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zumeist aus Osteuropa, z.T. aber auch aus westeuropäischen Ländern dazu, die anstelle der zum Kriegsdienst eingezogenen Soldaten die Produktion aufrechterhalten mussten. Die Kinder dieser zwangsweise Dienstverpflichteten gehören, sofern sie aufgrund der Kriegsumstände ums Leben kamen, ebenfalls zu den Opfern.

Diese Sichtweise war neu, aber sie war seit einiger Zeit auch die Sichtweise des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge. Dennoch entbrannte in Burgwedel eine Debatte, ob nicht doch die bisherige Sichtweise gelten solle, nur für die am Kampfgeschehen beteiligten Soldaten Erinnerungstafeln aufzustellen und alle anderen Kriegsopfer beiseite zu lassen. Auf den Erinnerungstafeln an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs war dies stets der Fall gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zumeist keine  neuen Denkmäler, sondern lediglich die Erweiterung der bisherigen um neue Namen. Jetzt aber sollte wesentlich mehr geschehen. Es sollten alle Gruppen von Toten in das Gedenken einbezogen und dazu ein ganz neues Denkmal auf dem „Ehrenfeld“ auf dem Friedhof an der Tönser Straße aufgestellt werden. Hauptstreitpunkt wurde die Frage, ob auch die an Kriegsverbrechen beteiligten SS-Leute in das Gedenken einbezogen werden, oder ob diese davon ausgeschlossen werden sollten, zumal die jüdische Gemeinde es ablehnte, ihre Toten zusammen mit SS-Leuten auf einer Gedenktafel zu nenne.  Gerade angesichts solcher Kontroversen musste auf eine Formulierung der Gedenktafel geachtet werden, die alle denkbaren Missverständnisse ausschloss. Dies scheint zumindest bei einer der Erinnerungstafeln, deren Formulierung praktisch alle Soldaten unter Verdacht stellt, was eigentlich nicht die Absicht war,  nicht wirklich gelungen zu sein. 

Dennoch muss festgehalten werden, dass in Burgwedel bei aller Kontroversität sehr ernsthaft darum gerungen wurde, einen neuen Weg des Gedenkens zu finden, der allen Opfergruppen Gerechtigkeit widerfahren lässt.

 

1. Februar 2019: Arbeitskreis Reformation im Reich und in Europa - X. Abend: Johannes Calvin und der Calvinismus

Der Reformationskreis befasste mit Johannes Calvin (1509 – 1564), dem Reformator der Schweiz (neben Zwingli) und von Teilen Westeuropas sowie Teilen von Ungarn und Polen. Eigentlich war das Thema zu umfassend für eine Sitzung.

Calvin aus Noyon/Picardie wuchs unter sehr günstigen Bedingungen auf. Bei der Begegnung mit Studenten und verschiedenen Universitätslehrern kam er mit dem Luthertum, das in Frankreich als Ketzerei galt, in Berührung. In Orléans und Bourges widmete er sich der Rechtswissenschaft, aber auch bereits humanistischen Studien. Mehrfach musste er unter falschem Namen fliehen, fand aber auch Personen, u.a. adlige Frauen, die ihn schützten.  Im Austausch mit anderen Geflüchteten bildete sich allmählich seine reformatorische Grundentscheidung heraus. Zentral war auch für Calvin die Botschaft von der Gnade Gottes in Christus, die er den Schriften Martin Luthers entnommen hatte. Zudem praktizierte er das Priestertum aller Gläubigen, denn er besaß keine Priesterweihe, hielt aber Gottesdienste. 1535 floh er nach Straßburg, wo er mit Martin Bucer zusammenarbeitete. In dieser Zeit erschien die erste Ausgabe seiner Hauptschrift „Institutio Christianae religionis“ (Unterricht in der Christlichen Religion). Erst 1536 war die Verfolgungszeit beendet, Calvin konnte wieder frei reisen. In Genf bat ihn Guillaume Farel, eine Kirchenordnung auszuarbeiten, die ungewohnt streng gehandhabt wurde, was Unmut hervorrief.  Beide Theologen wurden ausgewiesen und gingen nach Straßburg. Dort wurde Calvin Pfarrer der Flüchtlingsgemeinde, bis er 1541 doch wieder nach Genf zurückgerufen wurde. Er kam unter der ausdrücklichen Bedingung, eine Kirchenordnung ausarbeiten zu dürfen. Die Mehrheitsverhältnisse im Rat hatten sich geändert, so dass nunmehr die strengen Calvinisten in Genf das Sagen hatten. Warum diese Strenge? Für Calvin steht die Ehre Gottes im Zentrum. Ihr dient die Kirche zuallererst. Daher betonte er die Lehre von der Prädestination vor allem zum Heil als Trost für die Verfolgten, bisweilen aber auch zum Unheil, was Luther vermied. Kirche ist Leib Christi und Christus ist ihr Haupt. Kirchenzucht dient dem Ziel, Schande von Christus auch äußerlich sichtbar abzuwehren. Die Leugnung der Trinität Gottes war für Calvin äußerste Blasphemie, sodass er sogar einen Ketzerprozess durch den Rat der Stadt geschehen ließ. Dennoch gehen vom Calvinismus die eigentlich modernen Wirkungen der Reformation aus, denn sie wirkte in Westeuropa durch die Aufnahme von Strukturen der Stadtregierungen großer Städte wie Straßburg und Genf. Für Calvin war die Verbindung von Aristokratie und Demokratie die beste Staatsform, was Luther fremd war. Für diesen war auch Widerstand gegen die Obrigkeit verboten, für Calvin im seltenen Ausnahmefall denkbar. So erschließt sich, dass die calvinistischen Kirchen einer im Volk von unten her gebildeten Bewegung entsprangen. In der asketischen Lebensweise der Calvinisten sah Max Weber (1904) den Ursprung des westlichen Kapitalismus. 

Um den Unterschied zwischen Calvinismus und Luthertum zu verstehen, ist es wichtig, die verschiedenen Ursprünge zu beachten. Calvin war ausgebildeter Jurist, nicht aber vor allem Mönch wie Luther. Zwar kam auch Luther mit juristischem Denken und dem Humanismus in Berührung, doch war Calvin der Humanismus sehr viel wichtiger. Gar nicht unterschätzen sollte man die Herkunft Calvins aus der Stadtkultur Frankreichs, die sich anders, als Luther es tat, schon weitgehend aus dem Mittelalter gelöst hatte. 

 

5. Februar 2019: Gespräche mit den Nachbarn 

 Am 5. Februar sprach Pastorin und Oberkirchenrätin Schulz-Grave über ihre  langjährige Tätigkeit im Dienst von Kirche und Gemeinden. Dabei stand die Evangelische Erwachsenenbildung im Vordergrund. Es wurde deutlich, dass nicht nur Lehrer und Erzieher, sondern vielfach auch die Eltern selbst von der Evangelischen Erwachsenenbildung angesprochen werden und Hilfe erhalten. Vielen fehlt die Erfahrung und der ausreichende Kenntnisstand, um mit ihren Kindern über religiöse Fragen sachangemessen zu sprechen.  Für einen evangelischen Kindergarten ist es wichtig, dass die religionspädagogische Arbeit zu ihrem Recht kommt und diese so sachgemäß wie möglich mit den Kindern betrieben wird. 

Obwohl es wünschenswert gewesen wäre, wenn sich mehr Teilnehmer eingefunden hätten, gab es eine angeregte Diskussion im Anschluss an das Referat. Dabei kristallisierte sich besonders eine Frage heraus:  Was ist heute Gemeinde? Dabei war die Ausgangsfrage: Was ist das Hoyaer Modell des Konfirmandenunterrichts und weshalb wurde es bei uns aufgegeben? Letztlich stimmten alle darin überein, dass das Hoyaer Modell, bei dem die Eltern unmittelbar einbezogen sind, was zu einer Kooperation von Gemeinde und Elternschaft führt, das beste und wirkungsvollste, aber auch das arbeitsintensivste Modell ist. Da aber eine halbe Pastorenstelle dazu nicht ausreicht, musste es in unserer Gemeinde aufgegeben werden. P. Bührer berichtete über ähnliche Erfahrungen aus Württemberg. Ob es allerdings ausreicht, angesichts des Problems der nachlassenden Mitarbeit in unseren Gemeinden auf die Weihnachtschristen zu setzen, blieb am Ende doch die Frage. 

 

10. Februar 2019: Two Flutes 

Am Nachmittag des 10. Februar 2019 fand ein Flötenkonzert in der St. Philippuskirche statt. Es war ein Konzert der besonderen Art. Es spielten zwei Flötistinnen, Eileen Skolik und Marie Leinpinsel, die sehr gut harmonierten und einander ergänzten. Nur zwei Flöten, ist das nicht langweilig? Im Gegenteil, bis zum letzten Ton hielten uns die beiden jungen Mädchen, nett anzusehen mit ihrem hübschen Kleidern, in Bann. Im Voraus schon einmal herzlichen Dank!

J. S. Bach

(1685-1750)      Suite h-Moll, 7. Badinerie

                         Dieses wunderbare bekannte Stück wurde meisterhaft vorgetragen.

W. F. Bach

(1710-1784)     Sonata G-Dur Fk 59, 1. Allegro ma non troppo, 2. Cantabile, 3. Alla breve, 4. Gigue: Allegro

                         Zusatz: Begebenheiten aus dem Leben des Komponisten

F. A. Hoffmeister 

(1754-1812       Sonate B-Dur op. 49 Nr. 2,

                         1. Allegro - beschwingt, 2. Aria, poco Adagio- einschmeichelnd, 3. Rondo – beschwingt und gekonnt, große Freude zuzuhören

                         Zusatz: Begebenheiten aus dem Leben des Komponisten

F. Kuhlau

(1768-1832)     3. Duett op. 81,

                        1. Allegro – tolle Läufe, 2. Andante con moto – sehr einfühlsam vorgetragen, 3. Rondo – wunderbar, auch wie die zwei sich ergänzten und         ablösten.

                         Ein Ohrenschmaus und Hochgenuss!

                         Zusatz: Begebenheiten aus dem Leben des Komponisten

Eine kleine Zwischenzugabe mit Michael Sodt am Flügel. Die „Lockvögel“ von Wilhelm Popp (1828-1903). Popp war ein deutscher Flötist und Komponist, der auch für Salon-Musik bekannt war. Man hörte zwitschern, locken und betören. Toll gespielt!

In der Pause verwöhnte uns Familie Leinpinsel mit Getränken und Häppchen. Vielen Dank dafür! 

W. A. Mozart 

(1756-1791)         Duetto K. 378, 1. Allegro moderato- spritzig, 2. Andante sostenuto – sehr innig, 3. Allegro molto, 4. Allegro assai – Allegro molto - –

                             tänzerisch und beschwingt, wunderbar  

J. B. Vanhal          

(1739-1839)       „Die Bedrohung und Befreiung der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien“

                           Nach dem Lebenslauf Lesung der Titel der einzelnen musikalischen Sequenzen durch Michael Sodt.

                           Sehr gut übersetzten die beiden Flötistinnen die einzelnen Abschnitte des Geschehens,

                           sehr glaubhaft und mit Esprit begeisterten sie die Zuhörer. 

J. Haydn

(1732-1809)       „Schon eilet froh der Ackersmann“ aus „Die Jahreszeiten“ – Allegretto – ein beschwingtes Stück, heiter gespielt, es machte Spaß zuzuhören.

Jan Clarke

Geb. 1964          „Maya“, Stück eines jungen englischen Flötisten und Komponisten. 

                           Es wurde sehr einfühlsam gespielt und von Michael Sodt am Flügel begleitet, was uns allen sehr gut gefiel.

So war auch dieses Konzert ein Hochgenuss, welches mit starkem Applaus bedankt wurde.

                                                                                                                                                         Hannelore Bader

 

22. Februar 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - „Yes, we can!“ einmal anders, nämlich beim ‚Senior Experten Service’ (SES)

Alte Menschen füllen nicht nur die Heime und sind hauptamtliche Kandidaten für Demenz und andere Formen der Nichtbewältigung ihres Lebens, sondern regieren im hohen Alter noch Staaten wie  z.B. Adenauer und de Gaulle zu ihrer Zeit. So darf es nicht überraschen, wenn für diesen Teil der älteren Generation in den letzten Jahren reiche Beschäftigungsmöglichkeiten gefunden wurden, die ihre z. T.  ebenso reichen Befähigungen und Wissensstände zum Nutzen der deutschen, aber auch der überseeischen gesellschaftlichen Entwicklung einsetzen wollen. Der Männerkreis beschäftigte sich mit solchen Möglichkeiten im Rahmen des ‚Senior Experten Service’. Es referierte Herr Horni, der ebenso wie Herr Watermann selbst ehrenamtlich für den SES tätig sind. Außerdem berichteten die Mitglieder unserer Gemeinde, Herr und Frau von Plato, von ihren Erfahrungen bei ihren Einsätzen im Ausland.  

Der SES wurde 1983 gegründet und ist eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für Internationale Zusammenarbeit.  Gefördert wird er vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der deutschen Wirtschaft.  Der SES ist in allen Erdteilen vertreten, wirkt aber auch in Deutschland. Vor allem hat er in den letzten Jahren angesichts der Hiobsmeldungen von einer überaus hohen und steigenden Quote von Abbrechern der Ausbildung ein Programm mit dem Titel ‚VerA’ aufgelegt. Hier werden den gefährdeten Auszubildenden beruflich erfahrene Gesellen und Meister an die Seite gestellt, die sich bereits im Rentenalter befinden.  Lt. Umfragen ist gerade dieses Programm besonders erfolgreich. 

Aber begonnen hatte das Programm mit Auslandseinsätzen.  Es gibt 200 ehrenamtliche Repräsentanten in 92 Ländern. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe unter dem Motto „Zukunft braucht Erfahrung“. Die Einsätze erfolgen in kleinen und mittleren Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen, im Sozialbereich, im Bildungswesen und im Gesundheitswesen. Gebraucht werden Menschen mit Erfahrung in Produktionsabläufen, im Vertrieb, im Finanzierungswesen, Umweltschutz und Fragen der Energieerzeugung, aber auch Menschen mit der Befähigung veraltete durch neue Strukturen zu ersetzen. Leider ist der Einsatz in China im Gegensatz zur Zahl der Einsätze in Afrika noch viel zu hoch. Der Zufriedenheitsgrad der an Einsätzen Beteiligten ist hoch.

Die Diskussion mit den Referenten vom SES verlief sehr angeregt und engagiert. Dabei gab es auch kritische Rückfragen, die von den Referenten aber positiv aufgenommen wurden.

 

 

 

24. Februar 2019: 12. Kinder- und Jugendkonzert in St. Philippus 

 

Unser diesjähriges Jugendkonzert wurde von Frau Dr. Barckhausen wieder sehr gut organisiert. Vielen Dank dafür! Es ist jedes Jahr wieder eine Freude, die kleinen Talente zu hören, die in unserer Gemeinde aufwachsen. Die Jüngste war 6 Jahre alt, die Älteste 17 Jahre. Alle machten ihre Sache sehr gut.

Wir hörten Klavier, Geige, Cello, Flöte, Alto, Trompete, Gitarre und ein besonderes Instrument „Kalimba“, von Melry Gansloser vorgetragen mit besonderem zarten Klang. Auch mit der Blockflöte überzeugte sie. Ich möchte nun nicht die einzelnen kleinen Künstlerinnen und Künstler aufführen – es war eine große Freude allen zuzuhören. Ihrem Alter entsprechend spielten sie sauber und gekonnt.

Überzeugend – um nur ein Beispiel zu nennen - war Hannah Wille (Geige) mit dem „Adagio“ aus dem Konzert E-Dur von J. S. Bach und mit dem 1. Satz aus Beethovens Sonate A-Dur, einfühlsam begleitet von Dr. Michael Sodt. Und dann natürlich wieder Leon Gershanovych (Klavier) mit R. Schumanns „Knecht Ruprecht“ und dem Ohrwurm „Yesterday“ von den Beatles.

So wurde das mal wieder ein sehr gelungenes Konzert, welches die Zuhörer erfreute, die sich ihrerseits mit starkem Applaus bei den kleinen Künstlerinnen und Künstlern bedankten.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

 Hannelore Bader

 

28. Februar 2019: Mitarbeiterabend

 

Am 28. März fand der traditionelle Abend für die Mitarbeiter/innen unserer Gemeinde statt. Es waren auf die Einladung des Kirchenvorstands hin fast 60 Mitarbeiter gekommen, so dass der Saal brechend voll war, denn alle wollten gemütlich an einem Tisch Platz nehmen. Es wurde ein geselliger Abend, der von unserem Organisten,  Herrn Othmer, sogar mit Tafelmusik begleitet wurde. Er spielte Evergreen-Melodien und Ohrwürmer aus früheren Jahrzehnten, auch Lieder von den Beatles und andern Gruppen. Es war sehr unterhaltsam! Für Speis’ und Trank war bestens gesorgt, denn jeder hatte etwas mitgebracht, so dass es nicht allzu sehr ins Geld ging. 

Die Pastorin versuchte die im Raum versammelten Haupt- und Ehrenamtlichen vorzustellen, was bei der Fülle der Anwesenden recht lange hätte dauern können, wenn ihr nicht ein kleiner Trick eingefallen wäre. Sie fragte einfach die Arbeitsfelder ab und bat die jeweils auf diesen Feldern Tätigen, sich zu melden. Dann fehlte zwar immer noch etwas, z. B. der Name, aber man war doch danach beeindruckt, was in unserer Gemeinde alles läuft. Zudem enthielt die Liste der aufgezählten Arbeitsfelder durchaus auch Lücken, was aber leicht zu verkraften war, denn es bildeten sich umgehend zugewandte fröhliche Tischgesprächsrunden.

Es verwunderte nicht, dass es angesichts dessen zahlreiche Teilnehmer/innen gab, die nicht daran dachten, nach Hause zu gehen - zumal alles so festlich gedeckt war und die Speisen von raffiniertem Salat bis zu leckerem Braten nicht zu verachten waren. Allen soll an dieser Stelle herzlich gedankt werden und natürlich auch denen, die am Ende ein Einsehen hatten, dass auch ein Mitarbeiterabend nicht ewig dauern kann und daher beim Abräumen, Abwaschen und Aufstapeln der Tische und Stühle kräftig mit anpackten. 

 

8. März 2019: Arbeitskreis Reformation im Reich und in Europa, XI. Abend - Reichsstadt und Reformation

 

Im Reformationskreis ging es diesmal unter dem Titel „Reichsstadt und Reformation“ um die Rolle der Städte in Deutschland im Gesamtprozess der Ausbreitung der Reformation. Dabei wurde zunächst die Definition des Begriffs Reichsstadt geklärt und um die Unterscheidung zwischen Reichsstädten und Freien Städten.  Entscheidung ist die Reichsunmittelbarkeit der Reichsstädte, d. h. dass sie einzig und allein dem Kaiser unterstellt waren. Demgegenüber hatten sich die „freien“ Städte von einem Landesherrn (weltlicher Fürst oder Bischof)  freigekämpft und hatten de facto sogar mehr Freiheit als die Reichsstädte. Es wurden drei Städte als charakteristische Beispiele herausgegriffen: Nürnberg, Straßburg und Magdeburg. Dabei war Magdeburg formell keine Reichsstadt, aber eine der ganz großen und für die Reformation bedeutsamen Städte.  Viele Reichsstädte waren winzig. Die Größe der Städte aber spielte für die Reformationsgeschichte eine Rolle, wenn es um die Frage der Verbreitung reformatorischen Denkens geht.

Nürnberg war hier besonders wichtig mit seinen zahlreichen Druckerwerkstätten und einflussreichen Ratsfamilien und seiner Fülle an klugen Köpfen wie Albrecht Dürer, Lazarus Spengler, Hans Sachs und vielen anderen. Die Einführung der Reformation folgte in den großen Städten oft der städtischen Tradition der Mehrheitsentscheidung. In Nürnberg entschied sich der Rat 1525 nach ausführlicher Debatte zwischen altgläubigen und lutherischen Theologen (Nürnberger Religionsgespräch 1525) für die Einführung der Reformation. Damit war Nürnberg die erste Reichsstadt, die die Reformation einführte. Mehr an Provokation wollte man dem Kaiser als Stadtherrn nicht zumuten.

Das zweite Beispiel war Straßburg, eine weltoffene Stadt mit geistiger Nähe zur zwinglianischen Schweiz und ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge. Hier hatte nicht der bedenkenträgerische Stadtadel wie in Nürnberg, sondern hier die Zünfte die tragende Rolle übernommen. Es war ein anderes politisches Klima. Straßburg war eine Stadt an der Hauptverkehrsachse des Mittelalters, dem Rhein. Hier hatten die einfachen Leute das Sagen, die u. U. rasch und impulsiv handelten. So war es möglich, dass auch in Straßburg Massenverbrennungen von Juden vorgekommen waren, weil man ihnen 1348 die Pest in die Schuhe schob. Straßburg brauchte den militärischen Schutz des evangelischen Bündnisses (Schmalkaldischer Bund) und war des halb bereit, sich der fürstlichen Macht zu beugen und sich mit Luther und den Wittenbergern zu verständigen. Die Zwinglianer waren nunmehr ausgegrenzt. 

Aus zeitlichen Gründen musste das politisch widerständige streng lutherische Magdeburg auf das nächste Treffen verschoben werden, so dass am Schluss nur noch ein kurzer Überblicksvergleich stand.  

                                   

10. März 2019: Konzert „Zeitreise“ in St. Philippus

 

Eine Zeitreise vom Barock bis zur Gegenwart wurde uns in diesem wunderbaren Konzert geboten. 

Die beiden Künstler – Marie Leinpinsel (Flöte) und Michael Sodt (Klavier) - begannen mit G. P. Telemanns „Fantasien“ für Flöte solo, Nr. 6 (TWV 40.7); die drei Sätze wurden romantisch, dann spritzig und lebhaft gespielt, durch gekonnte Körpersprache unterstützt. 

Es folgte ein Konzert von C. Stamitz (G-Dur, op. 29). Hier beeindruckte besonders das eindrucksvolle Zusammenspiel mit dem Klavier. In „La flute de Pan“ op. 15, des französischen Lehrers und Komponisten J. Mouquet hörte man im 1. Satz förmlich das Vogelgezwitscher. Der Vortrag wurde unterbrochen mit zwei kleinen Gedichten. 

 In der Pause konnte man sich an verschiedenen Köstlichkeiten erfreuen, die Familie Leinpinsel vorbereitet hatte. Vielen Dank dafür!

Das 20. Jahrhundert begann mit einer Sonatina des ungarischen Lehrers und Komponisten P. Járdányi. In diesem Stück faszinierte besonders, wie sehr die beiden Künstler aufeinander eingingen. So erklang ein sehr harmonisches Werk.

Die Komposition „Hypnosis“ des englischen Flötisten I. Clarke führte uns in die Gegenwart. Verwunschene Klänge verführten zum Träumen. Das Programm wurde mit einer Sonata des georgischen Komponisten O. Taktakishvili beschlossen, die meisterhaft vorgetragen wurde. Bei aller Modernität war das Hörerlebnis nicht nur faszinierend, sondern auch ausgesprochen mitreißend. 

Als Zugabe spielte Marie Leinpinsel erneut ein Stück von I. Clarke, das mit allen Finessen ausgestattet war – Atmen, Pusten, Flötentöne – interessant, was man alles an Technik mit der Flöte machen kann! Die Zuhörer waren begeistert. Langer Applaus belohnte die beiden Künstler.

So war auch dieser Musiknachmittag wieder ein unglaublicher Genuss und wir alle hoffen auf eine Wiederholung, mit hoffentlich mehr Zuhörern. Großer Dank an die beiden Musiker!

 

                                                             Hannelore Bader

 

12. März 2019: Gemeindeversammlung in St. Philippus

Die gut besuchte Gemeindeversammlung hatte zwei Hauptinhalte:

Zum einen gab es die Darstellung aller Aktivitäten und Arbeitsbereiche unserer Gemeinde in großen Plakaten, die an den Wänden des Gemeindesaals aufgehängt wurden. Zum andern gab es als Haupt- und Diskussionsthema die Darstellung der Initiative „... auf eine Tasse Tee“. 

1. Dank guter Vorbereitung durch das Vorbereitungsteam kam eine beeindruckende Anzahl selbstgefertigter Plakate zusammen. Da die Zeit letztlich zu kurz war, um alles anzuschauen, beschloss der Kirchenvorstand in seiner Sitzung vom 14. März, diese Plakate im Internet zugänglich zu machen und einzelne dieser Werke auch im „Blick vom Turm“ abzubilden, so dass die wenigen Gruppen, die bei der Premiere am 12. März aus diversen Gründen fehlten, die Chance bekommen, sich ebenfalls darzustellen. 

2. Zum Projekt „... auf eine Tasse Tee“ siehe den Beitrag von Frau Dr. U. Günther unter „Aus dem Kirchenvorstand“.

 

 

24. März 2019: Konzert des Kammerorchesters Bothfeld

 

Diesmal hatten wir erneut ein besonderes Konzert. Sabine Lauer leitete ihr Orchester, welches 25 Streicher hatte, Profis und Laien, präzise, souverän und gekonnt.

Das Programm begann mit der Streichersinfonie Nr. 4 c-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), das dieser mit erst 12 Jahren geschrieben hat: Grave – gewaltig, Allegro – sehr facettenreich, Andante – lieblich, Allegro vivace –super gespielt mit einem sehr einheitlichen Klang.

Es folgte Adagio & Fuge c-moll KV 546 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Wie anders klang dieses c-moll Konzert, welches Mozart kurz vor seinem Tode schrieb. Das Adagio klang für mich nach Todessehnsucht, ich bekam eine Gänsehaut. Die Fuge: Allegro war gewaltig, manchmal etwas grob gespielt. Kein typischer Mozart.

Das Werk des dritten Komponisten Ernest Chausson (1855-1899) war das Konzert für Violine (Birte Päplow), Klavier (Nicolai Krügel) und Streichorchester op 21, das überaus schwer war und dennoch von den Solisten gekonnt vorgetragen wurde. Schade, dass ich den Werdegang der beiden Solisten hier nicht beschreiben kann, das würde den Rahmen sprengen. Sie sind beide hochbegabt und von berühmten Lehrern ausgebildet. Die Konzertsätze: Décidé – toll gespielt, Sicilienne: Pas vite – wunderbar, Grave – sehr einheitlich und beeindruckend, Très animé – zum Teil gewaltig. Insgesamt ein beeindruckendes Stück und faszinierend vorgetragen. Mir gefiel es sehrgut.

Als Zugabe gab es ein Menuett von Hubert Parry (1848-1918), welches vom Orchester sehr zart und lieblich aufgeführt wurde.

Die Zuhörer in der voll besetzten Kirche dankten den Künstlerinnen und Künstlern mit starkem Applaus. Es war ein tolles Konzert. Wir hoffen auf einen neuen Besuch und danken der Dirigentin und den Musikerinnen und Musikern. 

                                                                                                            Hannelore Bader

 

25. März 2019: Stadtteilrundfahrt des Seniorenkreises

Zu unserer Stadtrundfahrt in den Süd-Osten von Hannover starteten wir bei Regen, aber wir saßen ja im schönen warmen Bus. In Kirchrode stieg die uns allen schon lange bekannte Stadtführerin  Frau Eckhardt mit ein, und los ging es Richtung Bemerode, zuerst den Bünteweg entlang. Hier sind mehrere Institute der Tierärztlichen Hochschule wie die Rinderklinik, die Kleintierklinik, die Klinik für Pferde und das Zentralgebäude der Hochschule. Auf dem früheren Kali- und Salz-Gelände entwickelt heute das Pharmaunternehmen Boehringer Impfstoffe mit Hilfe von Tierversuchen an Schweinen. Bürgerinitiativen hatten versucht,
das zu verhindern.


Wir kamen zum Neubaugebiet Kronsberg, das zur Expo nach ökologischen Maßstäben bebaut wurde. Die Passiv-Häuser brauchen zum Heizen und für Warmwasser keine zusätzliche Energie mehr. Zur Toilettenspülung wird Regenwasser benutzt. Mit seinen 6000 Bewohnern ist der Kronsberg eine kleine Stadt für sich. Es sind jetzt noch 3500 weitere Wohnungen geplant. Die D-Süd-Linie der Stadtbahn wurde auch bis zum Kronsberg durchgeführt, z.T. unterirdisch.

In der Wülfeler Straße, wo früher  Bauernhöfe waren, ist heute IBM und das Norddeutsche Rechenzentrum., und hier baut Rossmann gerade ein Logistikzentrum. Wegen der vielen Baustellen hatte Frau Eckhardt es schwer, eine Rundfahrt für unseren großen Bus zu finden ohne ein Strafmandat zu riskieren.

Als wir zur Besichtigung des Stadtklosters "Kirche der Stille" im ev. Kirchenzentrum Kronsberg ausstiegen, hatte der Regen aufgehört. Uns erwartete ein großer heller Sakralraum, in dem es immer Angebote zu den Themen Gebet, Stille und Meditation gibt und der eine Begegnungsstätte für alle ist.

Gelegenheiten zu zwanglosen Begegnungen hat man am Kronsberg genügend. Frau Eckhardt ging mit uns noch in das geräumige Gesundheitszentrum. Das ist ein Gebäudekomplex mit einer Art Innenhof, wo es die Apotheke und verschiedene Arzt- und Therapiepraxen gibt. In einem  dritten Zentrum, ebenso großzügig geplant, findet man die Bücherei, Buchhandel und Informationen über den Stadtteil.

Nach einer kleinen Pause im Bus mit Kaffee und kleinem Gebäck erreichten wir bald das Messegelände und das ehemalige Expogelände. Viele der Pavillons der verschiedenen Länder konnten nach der Ausstellung gut verkauft werden. Auch die Hochschule erwarb einige Gebäude. Die Kirche, "der Wal", wird Sonntag für Sonntag gut besucht und ist  besonders bei jüngeren Menschen sehr beliebt. In schlechtem Zustand ist der Niederländische Pavillon, für den es aber immer wieder Interessenten gibt. 

Auf dem Rückweg kamen wir noch am Luftfahrtmuseum vorbei und am Buddhistischen Kloster mit dem Buddha in Gold auf dem Platz der Erleuchtung.

Noch viel Interessantes erfuhren wir unterwegs und fanden wieder bestätigt, dass sich eine Fahrt mit Frau Eckhardt immer wieder lohnt. Wir danken Frau Eckhardt und auch besonders unserem Busfahrer Thomas!

Dankbar für diesen schönen Tag erreichten wir wieder unsere Philippuskirche.

                                                                                                                    Monika Schneider                                                                                        

 

22. März 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Muslimische Verbände

 Am 22. März referierte Prof. Dr. Wolfgang Reinbold, der Beauftragte für Kirche und Islam der hannoverschen Landeskirche, über „Muslimische Strömungen und Verbände in Niedersachsen“. Es war ein sehr aufschlussreicher Vortrag, der über die muslimischen Strukturen informierte, die den meisten Anwesenden in der Tat kaum geläufig waren. Insbesondere sind sie mit den kirchlichen Strukturen so gut wie gar nicht vergleichbar. Am bekanntesten ist noch die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (DITIB). Gegen diesen Verband gab es in den letzten Jahren schwere Vorwürfe wegen seiner weitgehenden Steuerung aus der Türkei. Im Herbst war der Vorstand des Landesverbandes Niedersachsen der DITIB geschlossen zurückgetreten, um mit diesem Schritt gegen die Einflussnahme der türkischen Regierung zu protestieren. Außerdem gibt es in diesem Verband eine immer wieder auftauchende Nähe zu Islamisten. 

Weniger bekannt, da weniger in den Schlagzeilen, ist der „Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V.“, genannt Schura. Der Verband hat nach eigenem Bekunden 92 Mitgliedsorganisationen. Er versucht eine übergreifende Vertretung aller Muslime in Niedersachsen. Hintergrund der Gründung war das Bestreben, einen eigenständigen islamischen Religionsunterricht für Niedersachsen herbeizuführen. Zu diesem Zweck besteht seit einiger Zeit ein Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen, in den die beiden Verbände (DITIB und Schura) je zwei Vertreter entsenden. Es ist Ansprechpartner der niedersächsischen Landesregierung in muslimischen Angelegenheiten. Allerdings sind die Verbände nicht an der Erstellung der Lehrpläne für den muslimischen Religionsunterricht beteiligt, außer dass sie die Möglichkeit erhalten, zu den Kerncurricula für den muslimischen Religionsunterricht nach Fertigstellung Stellung zu nehmen. 

Noch nicht ausführlich konnte die unmittelbar zuvor Ende Januar erfolgte Neugründung eines gänzlich unabhängigen Verbandes für alle Muslime in Niedersachsen dargestellt werden. Hinter diesem neuen Verband stehen zehn Moscheevereine und drei Gruppen von Frauen, die selbst an der Universität Osnabrück islamische Theologie studiert haben. 

Fragen der Teilnehmer und Gäste nach weiteren Details wurden beantwortet, weitgehend offen blieben aber Fragen nach den  Beziehungen zwischen Christen und Muslimen. 

 

12. April 2019: Arbeitskreis Reformation im Reich und in Europa - XII. Abend: Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 

 

Der Reformationskreis beschäftigte sich am 12. April mit der Vorgeschichte des Augsburger Religionsfriedens von 1555. In dieser Thematik bündelten sich zahlreiche Teilthemen, die in vergangenen Sitzungen schon berührt worden waren, und die

se hatten weniger mit Theologie als vor allem mit der Politik von einem der einflussreichsten Fürsten zu tun. Ausgehend von der Niederlage der Protestanten bei Mühlberg 1547, bedingt durch den Seitenwechsel des protestantischen sächsischen Herzogs Moritz von Sachsen auf die kaiserliche Seite, ergab sich eine Schlüsselrolle dieses Fürsten in den folgenden sechs  Jahren.

Der Friedensschluss zwischen den im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen Protestanten und der kaiserlichen Partei in der Wittenberger Kapitulation von 1547 hatte Moritz die Kurfürstenwürde und große Gebietszuwächse gebracht. Dennoch war er alles andere als ein treuer Vasall des Kaisers, denn er machte sich zum Vorkämpfer der fürstlichen „Libertät“ gegenüber dem Kaiser und gegen die von diesem vorgeblich verlangte „viehische Servitut“.  Er führte daher eine Fürstenopposition von fünf protestantischen Territorien gegen den Kaiser an und bemäntelte dies mit der Belagerung Magdeburgs in kaiserlichem Auftrag (Vollzug der Reichsacht), ohne diese Stadt wirklich erobern zu wollen. Auch mit dem kaiserfeindlichen französischen König schloss er ein Bündnis, und kam so in den Genuss höchster Geldsummen, wofür er dem Franzosen die Bistümer Metz, Toul und Verdun versprach. So gelang es Moritz den Kaiser in Innsbruck zu überfallen. Nur mit knapper Not entging dieser ihm durch die Flucht.

Alle Verhandlungen des nunmehr unterlegenen Kaisers führte dessen Bruder Ferdinand, sein späterer Nachfolger als deutscher Kaiser. Ferdinand und Moritz schlossen in Abwesenheit des Kaisers Karl V. mit dem sog. Passauer Vertrag von 1552 einen Kompromiss. Der wichtigste unter den Vertragspunkten war der Ausgleich zwischen beiden Religionsparteien auf der Basis des status quo. Auch die katholischen Fürsten wollten diesen Ausgleich. Mit diesem Vertrag wurde das Luthertum im Reich erstmals formal anerkannt. Letztlich findet die Kirchenspaltung definitiv erst jetzt im Jahr 1552 aufgrund einer politischen Einigung der Fürsten statt. In Augsburg erfolgt 1555 nur noch die reichsrechtliche Bestätigung des 1552 in Passau Vereinbarten. Das Ergebnis war ein 63 Jahre währender Friede im Reich. 

Das Hauptproblem in Augsburg war die Frage gewesen, ob jede Person oder nur der Fürst das Recht der freien Konfessionswahl habe. Das Ergebnis war die freie Konfessionswahl in den Reichsstädten und die Konfessionswahl des Fürsten in den Territorien, verbunden mit dem freien Auswanderungsrecht der konfessionell anders Orientierten.  

 

26. April 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Wilhelm Busch - „Und die Moral von der Geschicht ...“

 Unser langjähriger Teilnehmer Günter Krause im Männerkreis über  Wilhelm Busch als Maler und Dichter. Es war ein sehr gelungener und unterhaltsamer Abend, der mit um die fünfzig Gästen sehr gut besucht war. Insbesondere das Talent des Referenten, auswendig aus dem Werk Buschs zu rezitieren, trug zur Auflockerung und Stimmung bei. Die Versammelten erfuhren einiges über seine Kindheit und Jugend in Wiedensahl und Ebergötzen. Darunter waren viele völlig neue und überraschende Informationen, z.B. dass er mit dem Studium des Maschinenbaus in Hannover begonnen hatte, das er dann aber zugunsten des Kunststudiums aufgab. Die Zuhörer bekamen einen sehr guten Überblick über das von 1832 bis 1908 währende Leben Buschs. Seine Bedeutung  lag in der Erfindung des Comics.  Damals sprach man von  „Bilderpossen“. Aufgrund der Volkstümlichkeit seiner Inhalte war er schon in der 1860er und 1870er Jahren in Deutschland sehr bekannt. Er hatte mit diesen Arbeiten aus Gründen des Broterwerbs begonnen, denn er erfuhr, dass seine Beiträge für den „Müchener Bilderbogen“ u.a. bei den Lesern gut ankamen. Den Durchbruch erzielte er mit „Max und Moritz“. Diese berühmte Bildergeschichte aus den 1860er Jahren zahlte sich aber vor allem für den Verleger aus, der ein reicher Mann wurde. Aber Wilhelm Busch blieb tätig und reihte eine Bildergeschichte an die andere: „Die fromme Helene“, „Plisch und Plum“, „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“ usw. 

Wilhelm Busch hätte eine große Zukunft als Maler gehabt, hätte er nicht viel zu große Ansprüche an sich selbst gehabt. Günter Krause berichtete, dass Busch immer wieder seine eigenen Bilder vernichtete. Erst als seine Neffen darauf aufmerksam wurden, konnten einzelne seiner Bilder gerettet werden. 

Bei aller Unterhaltsamkeit unterschlug Günter Krause keineswegs einige kritische Anfragen an Wilhelm Busch, vor allem die Frage: War Busch Antisemit? Seine Abbildungen von Juden lassen darauf schließen. Aber auch andere Aspekte trugen dazu bei, Busch in einem neuen Licht zu sehen: Mit zunehmendem Alter zeigte sich Busch immer offener als Alkoholiker. Bemerkenswert war aber auch, dass Busch zwar nicht verheiratet, aber dennoch ein Liebhaber der Frauen war, wozu der Referent einige Hinweise einfließen ließ. Schließlich war es eine gewisse Schockinformation, dass Busch sein gesamtes Erwachsenenleben hindurch ein so starker Raucher war, dass er täglich bis zu 60 oder 70 Zigaretten konsumierte. 

Am Ende seines Vortrags konnte der Referent den begeisterten Applaus seines Publikums entgegennehmen.

  

10. Mai 2019: Arbeitskreis Reformation im Reich und in Europa - XIII. Abend: Glaubensflüchtlinge

 

Nachdem der Augsburger Religionsfrieden von 1555 die Spaltung in zwei Konfessionen im Reichstag festgeschrieben hatte, für Abweichler innerhalb eines Territoriums aber das Recht auf Auswanderung eingeführt worden war, galt es zu klären, ob die religiösen Verhältnisse sich so friedlich weiter entwickelten, wie dies nach dem Slogan „Cuius religio, euis religio“ zu hoffen war. Unter Verzicht auf eine strenge Chronologie wurde ausgeführt, dass lange Jahrhunderte vorher die Territorien bereits durch die Migration religiöser Minderheiten aufgrund von Vertreibung und Verfolgung gekennzeichnet sind. Zunächst ging es um die Waldenser, deren Wurzeln im 13. Jh. liegen. Und noch älter sind die Katharer in Italien und Südfrankreich, gegen die regelrechte Kreuzzüge geführt wurden. Sie hingen einer aus dem byzantinischen Osten stammenden dualistischen Lehre an und wurden bereits Opfer der Inquisition, die noch 1278 über hundert wegen Ketzerei Verurteilte in der Arena von Verona verbrennen ließ.

Manche der religiösen Bewegungen am Vorabend der Reformation griffen zunächst zu Gewaltmitteln, um sich zu verteidigen, fanden dann aber doch zu einem friedlichen Leben zurück, wie z.B. die Hussiten, die uns heute nur noch in Gestalt ihrer Nachfahren, der Böhmischen Brüder bzw. der Herrnhuter Brüdergemeine, geläufig sind. Auch die Täuferbewegung mit ihren von Menno Simons geprägten Gemeinden der sog. Mennoniten ist hier zu nennen. Letztlich gehören auch die Juden zu den Glaubensflüchtlingen des Mittelalters und der Reformationszeit. Vor allem Spanien zeichnete sich durch einen hohen Grad an Gewaltsamkeit aus. Als Rückfall in vorreformatorische Verhältnisse kann alles bewertet werden, was sich abseits des Migrationsrechts bewegte. Dazu gehörten die Verhältnisse im Habsburger Reich und natürlich vor allem der Rückfall des absolutistischen Frankreich in die Verhältnisse vor der Anerkennung der Hugenotten durch den protestantischen König Heinrich IV. von Navarra. Als Ludwig XIV. 1685 im Edikt von Fontainebleau alle Rechte der französischen Hugnotten mit einem Federstrich beseitigte, blieb ihnen nur die Flucht. Sie wurden in zahlreichen deutschen Territorien mit offenen Armen empfangen, aber größter Nutznießer dieser in vielerlei Hinsicht qualifizierten Flüchtlinge war Preußen. Im 18. Jh. kamen in erster Linie die „Salzburger“ aus dem konfessionell sehr unduldsamen Erzbistum Salzburg, bevor das Zeitalter der Glaubensflüchtlinge mit der religiös begründeten Auswanderung der Zillertaler 1837 aus den Tiroler Alpen seinen Abschluss fand. 

Die Diskussion war geprägt von mehreren Ergänzungen, die aus eigenen Erfahrungen der Teilnehmer interessante Details beisteuerten.

 

12. Mai 2019: Kirchencafé mit Diskussion über die Aktion „auf eine Tasse Tee ...“ 

Die Aktion "auf eine Tasse Tee", die in den letzten Monaten angelaufen war, erbrachte sehr unterschiedliche Ergebnisse. Darüber werden die Initiatoren der Aktion demnächst an dieser Stelle berichten. Am Sonntag, dem 12. Mai, wurde während des Kirchencafés ein ausführlicher Bericht mit anschließender angeregter Diskussion gegeben. Die Leitung hatte Frau Dr. Günther vom Kirchenvorstand. 

Als Platzhalter erscheint vorerst lediglich ein Foto von der sehr gut besuchten Kirchencafé-Veranstaltung, die dankenswerter Weise vom Bürgerverein Isernhagen-Süd e.V., der mit den Gemeinde eng kooperiert, mit reichlich Kuchen, Kaffee und Tee bestückt war.

 

19. Mai 2019: Festliches Konzert zum 10jährigen Bestehen des Vereins zur Förderung des kirchlich-kulturellen Lebens in Isernhagen-Süd e.V.Der Förderverein, der uns bekanntlich schon oft bei künstlerischen Veranstaltungen unterstützt hat, war zu seinem 10jährigen Bestehen selbst der Veranstalter eines wunderbaren Konzerts:

Die international renommierten Musiker Claudia Rinaldi (Klavier) und ihr Mann Volodia Mykytka (Viola) boten uns mit ihrem Programm aus „Clara Schumanns Freundeskreis“ Musik erster Klasse.

Nach einer Begrüßung durch Dr. Volker Dallmeier fing das Programm an mit Joseph Joachim (1831-1907), einem berühmten Geiger, gebürtigen Ungar, der auch einige Zeit in Hannover tätig war. Seine „Hebräischen Melodien“ für Viola und Klavier op. 9 begannen mit Sostenuto - ein satter Klang der Bratsche, das Klavier gekonnt und einfühlsam. Das folgende Grave eindrucksvoll, das Andante cantabile wunderbar singend und überzeugend. Alles ein Hochgenuss!

Von Clara Schumann (1819-1896) spielten die beiden Künstler die Romanze für Klavier op. 21 g-Moll mit viel Furore, wundervoll!

Es folgten die Märchenbilder op. 113 von Robert Schumann (1810-1856). Beim Satz „Nicht schnell“ meinte man in einem Feenwald zu sein, tanzend und manchmal übermütig. Bei „Lebhaft“ ging regelrecht die Post ab. „Rasch“ – rasante Läufe, der Bogen tanzte auf den Saiten der Bratsche. „Langsam mit melancholischem Ausdruck“ – ein wunderbares Zusammenspiel von Klavier und Bratsche. 

Von Johannes Brahms wurde eine Auswahl aus seinen „Klavierstücken“ op. 118 vorgetragen. Brahms war ein großer Verehrer der Schumann, half ihnen in der Not und schrieb Schlaflieder für die Kinder. Seine „Intermezzi“ 1 und 2 waren machtvoll und zugleich wunderbar zart vorgetragen. Dank an Frau Rinaldi– toll!

Für den Schluss war erneut Clara Schumann auf dem Programm, die „Romanzen für Violine und Klavier“ op. 22. Das Allegretto – tanzend, singend. „Leidenschaftlich schnell“ – die beiden Künstler ergänzten sich auf wunderschöne Weise, ein Genuss besonderer Art.

Als Zugabe gab es ein flottes Stück von Brahms und die herrliche „Mondnacht“ von Robert Schumann, wo einem das Herz aufging. 

Auch dieses Konzert war für die Zuhörer wieder eine ganz große Freude, wir gingen mit erfülltem Herzen nach Hause. Sehr viel Applaus gab die dankbare Konzertgemeinde für die beiden großartigen Künstler Claudia Rinaldi und Volodia Mykytka. Der Vorsitzende des Fördervereins Dr. Wienke dankte den Künstlern für das eindrucksvolle Jubiläumskonzert.

Vielleicht gibt es ja bald einmal ein Wiederhören.

Hannelore Bader

 

 

24. Mai 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche „Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute“

mit Ausstellungseröffnung

Unser Referent  Herr Dr. Axel Smend wohnt in unserer Gemeinde und ist immer wieder auch in unserer Kirche aktiv. Die Woche über kann man ihn in Berlin antreffen. Er ist nicht von ungefähr Vorsitzender der Stiftung 20. Juli 1944. Denn sein Vater,  Oberstleutnant i. G. Günther Smend, gehörte zum engeren Kreis des Widerstandes gegen Hitler. Er bezahlte seinen Einsatz mit dem Leben. Es sollte dann während des Abends doch nicht so sehr um seinen Vater gehen, sondern vor allem um den Nationalsozialismus und den Widerstand als ganzen.  Da  Herr Dr. Smend in unserer Gemeinde bekannt ist,  war es lange unklar, ob die Anzahl der Stühle im Saal  ausreichen würde. Es gelang mit knapper Not alle hereindrängenden Teilnehmer und Gäste unterzubringen.

Die hohe Zahl der Besucher war dann aber ein Hindernis für das Vorhaben der Ausstellungseröffnung, sofern diese traditionell mit einem geführten Rundgang verbunden sein sollte. Bei der Fülle der Menschen hätten nur wenige aufgrund der Enge die Ausstellungsplakate an den Wänden des Gemeindehauses sehen können. So blieb es bei der Vortragseröffnung durch gezielte Hinweise auf einzelne Gestalten des Widerstandes, darunter auch weniger bekannte Namen. Die Vielfalt der Aktivitäten des deutschen Widerstands wird in der Ausstellung besonders deutlich.

Erst durch den Vortrag von Dr. Smend aber wurde die Situation deutlich, in der sich die Hinterbliebenen nach dem Krieg befanden. Nicht nur, dass die Hinrichtung der am Widerstand Beteiligten, vielfach Familienväter, diese Familien ihrer Ernährer beraubte, so dass die Frauen mit oftmals zahlreichen Kindern unversorgt zurückblieben, zumal   den Familien der als Verräter eingestuften Widerstandskämpfer jegliche finanzielle Unterstützung entzogen wurde. Noch viel schwerer wog, dass auch nach dem Ende des Krieges viele Menschen bei ihren Vorbehalten gegen die „Verräter“ blieben und die Familien mit ihren Vorurteilen verfolgten. Nicht nur die Gerichte folgten dieser Linie, was bei der flächendeckenden Wiederverwendung ehemaliger NS-Richter nicht verwundern konnte. Auch Lehrer waren Eltern und Schülern gegenüber dazu fähig. Dazu berichtete Dr. Smend über ein Erlebnis seiner eigenen Mutter aus Anlass eines Elternsprechtages in der Nachkriegszeit, bei dem es um Schulprobleme ihres Sohnes ging. Der Lehrer habe die Probleme wie selbstverständlich darauf zurückgeführt, dass ihr Kind ja Sohn eines Verräters sei. Eine große Hilfe sei demgegenüber gewesen, dass ein Schweizer Mäzen die Kinder der in Sippenhaftung genommenen Familien auf seine Kosten sechs Wochen lang auf eine Schweizer Alm eingeladen habe. 

Dr. Smend schloss mit Hinweisen auf die große Bedeutung des deutschen Widerstandes für die Gegenwart. Es seien herausragende Beispiele des Einsatzes für andere und der Übernahme von Verantwortung für die Gesamtheit unseres Landes gegeben worden abseits jedes Suchens nach persönlichen Vorteilen. Diese Haltung sei heute wichtiger denn je. 

Nach dem Vortrag wurde gegen Spende für den Männerkreis das Büchlein von Axel Smend „Gedanken sind Kräfte. Eine persönliche Annäherung an den Widerstand meines Vaters Günther Smend“ verteilt.

 

 

 

26. Mai 2019: 4. Barockkonzert in der St. Philippuskirche

Mit dem bekannten Rondo von Charpentier stimmte uns das Orchester als Eingangsmusik auf das Konzert ein.

Was dann folgte, war unbedingt ein Hochgenuss. Waren das noch Amateure? Wir alle fanden, dass sich unser Orchester immer mehr steigert und das Profilager erreicht hat. Aber nun zu den Komponisten: 

J. M. Molter (1695-1765): Konzert G-Dur (H.S. 315) – Allegro: mit Schwung, die Flöte wie immer gekonnt, die unisoni präzise – Affettuoso: wunderbares Zusammenspiel mit der Flöte – Presto: viel Spaß, die Triller der Flöte klangen wie Vogelgezwitscher, wunderbar, viel Applaus!

 G. P. Telemann (1681-1767): Violinkonzert a-Moll (TWV 51:a2) – Allegro: die Sologeige hatte viel tun, konnte aber auch jubel

n – Andante: singend, einfühlsam – Presto: sehr souverän gespielt von allen Künstlern, herrlich.

 A. Vivaldi (1678-1741): Konzert D-Dur (RV 783) – Allegro: sehr flott mit Piccolo-Flöte, Orchester und Vogelgezwitscher – Largo: wunderbar singend gespielt – Allegro: ein typischer Vivaldi voller Schwung und Freude.

In der Pause verwöhnte uns die Familie Leinpinsel wieder mit Köstlichkeiten. Vielen Dank dafür!

T. Albinoni /1671-1751): Oboenkonzert B-Dur (op. 7/3) – Marie Leinpinsel überraschte uns mit einem Englischhorn, dessen satter Klang dem Werk eine besondere Note gab. Allegro: Das Wechselspiel zwischen Orchester und Horn war großartig – Adagio: sehr tragend, einfühlsam gespielt – Allegro: tänzerisch und voller Elan.

 J. S. Bach (1685-1750): Doppelkonzert d-Moll (BWV 1043) – Vivace: sehr rasant und gekonnt gespielt – Largo ma non tanto: Zum Träumen – Allegro: die Spieler boten noch einmal all ihr Können auf, ein wunderbares Erlebnis dieses bekannten Stücks.

 Als Zugabe gab es den 3. Satz Vivace aus dem Konzert G-Dur von Pepusch. 

 Der langanhaltende Applaus der gut besuchten Kirche brachte die Begeisterung über dieses eindrucksvolle Konzert zum Ausdruck. Vielen, vielen Dank an unsere Künstlerinnen und Künstler. Wir freuen uns auf den 17. November 2019, wenn wir wieder etliche Kostbarkeiten zu hören bekommen.

 

                                                                                                                                                          Hannelore Bader

 

2. Juni 2019: ContraBrass in der Philippuskirche

 

Am 2. Juni war das Blechbläserquintett ContraBrass zu Gast in der Philippuskirche. Auf dem Programm stand englische Musik aus vier Jahrhunderten.

Der „March in E-flat“ von Gustav Holst bildete den schwungvollen und fröhlichen Auftakt mit Paukenschlag, nachdem Dr. Martin Stupperich das Publikum im Namen der Gemeinde begrüßt hatte.

Die moderne Bearbeitung des berühmten „Trumpet Tune“ von Henry Purcell begann als Marsch mit gedämpften Instrumenten – im 5/4 Takt arrangiert vom Ensemblemitglied Philip Thrift. Der Mittelteil - sehr lyrisch mit jazzigem Sound und komplexen Akkorden - mündete in die Reprise des Marschthemas vom Beginn. Ein ungewöhnliches und hörenswertes Arrangement.

Dann kam ein Klassiker, der das Publikum an die eigene Jugendzeit erinnerte: „Yesterday“ von den Beatles. Matthias Klisch begann einfühlsam mit dem Flügelhorn und wechselte später zur Trompete. Sehr schön und tragend untermalten die Posaunen und das Euphonium das Thema. Es folgte der augenzwinkernde Beatles-Titel „When I’m 64“, ein in der Kirche eher selten gehörtes Stück.

„Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar war technisch herausfordernd für die Musiker. Wer kennt es nicht aus den „Last night of the Proms“, die jährlich vom Rundfunk und Fernsehen übertragen werden? Hier wurde es zu fünft gespielt, wo ansonsten ein ganzes Symphonieorchester am Werk ist.

Nach der Pause kehrte das Publikum erfrischt zurück und wurde mit Renaissance Musik empfangen. „The Old Spagnoletta“, „His Dream“  und „A Toye“ hat der Cembalist und Komponist Giles Farnaby um ca. 1600 komponiert. Klang und Rhythmus erinnerte das Publikum an das goldene elisabethanische Zeitalter.

Dann folgte die prächtig gesetzte, heimliche englische Nationalhymne „Jerusalem“ von C. H. H. Parry. Sie erzählt von der Legende, nach der Jesus seinen Fuß auf englischen Boden gesetzt haben soll, um das Land zu segnen. Jedes Kind in England kennt die Geschichte und singt das Lied im Unterricht. 

Noch einmal erklangen zur Entspannung zwei locker gespielte Beatles Songs – „Eleanor Rigby“ und als kleiner Gruß an das Publikum „With a little Help from my friends“.

Die „Fantasia on British Sea Songs“ (von Sir Henry Wood) wurde ursprünglich zur 100-Jahrfeier der Seeschlacht von Trafalgar (Sieg der englischen Flotte unter Admiral Lord Nelson über die Franzosen und Spanier) komponiert. Daraus ist „Sailors Hornpipe“ auch gut bekannt aus den Last Night of the Proms. Das Thema wurde zu Beginn ganz leise von Matthias Klisch gepfiffen und dann zusehends lauter und schneller von den Instrumenten aufgenommen. Der Choral „Home Sweet Home“ als getragenes Stück folgte und ging über in „See the Conquering Heroe“.  Dies kennen wir in Deutschland als Weihnachtslied „Tochter Zion“, original aus Händels Oratorium „Judas Makkabäus“. Den Höhepunkt der Fantasia bildet natürlich „Rule Britannia“. Hier wurde zum Tusch endlich das kleine Becken eingesetzt, das die ganze Zeit scheinbar ungenutzt auf der Bühne stand.

Ohne Zugabe wollte das Publikum die Musiker nicht entlassen und so kam nochmals der „Sailors Hornpipe“ zu Gehör. Diesmal wurde er allerdings durch das Publikum mit Trillerpfeifen und Autohupen verstärkt ...

Ein lauter, fröhlicher und gelungener Bläserabend.

                                                                                                                                                                                                                      Die Redaktion

 

 

14. Juni 2019: Arbeitskreis Reformation Teil XIV: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden

 

In seiner letzten Sitzung befasste sich der Reformationskreis mit dem Abschlussthema: „Der Dreißigjährige Krieg – Höhepunkt und Ende des konfessionellen Zeitalters“. Es waren um die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschienen, die im zweiten Teil des Abends eine Reihe von Fragen und auch eigene Beiträge zur Ergänzung vortrugen. Mit dem Aufbrechen neuer, zunächst begrenzter Konflikte nach der bis in die Siebzigerjahre andauernden Friedenszeit durch den Augsburger Religionsfrieden strahlten auch weiterreichende Konflikte, die ihre Ursprünge jenseits der Reichsgrenzen hatten (Ostseeraum, Spanien, Frankreich) auf die Auseinandersetzungen innerhalb des Reiches aus.  

Nach wie vor führten diese Konflikte zu Parteinahmen in der konfessionellen Auseinandersetzung zwischen deutschen Territorien. Dabei ließ sich ein allmählicher Machtzuwachs der katholischen Partei beobachten, der das Schutzbedürfnis der Protestanten schließlich in die Gründung der „Union“ als neuem Bündnis münden ließ. Die katholische Seite schuf daraufhin das Gegenbündnis, die „Liga“. Führer der Union war der Kurfürst von der Pfalz, Friedrich V., der die Wahl zum böhmischen König durch die protestantisch-rebellischen böhmischen Adligen entgegen der Warnung  seiner Räte annahm. Seine Niederlage in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag zwang ihn zur Flucht ins niederländische Exil und führte zum Verlust seines Kurfürstenstatus. Der siegreiche Kaiser traf in Christian IV. von Dänemark auf einen neuen Herausforderer, fand aber in den kaiserlichen Truppenführern Tilly (Liga) und Wallenstein (Kriegsunternehmer) seine Meister. Ab 1630 trat Gustav Adolf von Schweden in die Auseinandersetzung ein. Für die deutschen Lutheraner war er der Retter in der Not, der „Löwe aus Mitternacht“, wie er in zahlreichen Flugblättern betitelt wurde. Er würde die wahre Kirche des Evangeliums wieder aufrichten und das siebenköpfige Untier aus Offenbarung 12 (den römischen Antichrist) niederringen. Das maßlose Massaker in der Stadt Magdeburg durch Tillys Truppen im Oktober 1631 konnte er allerdings nicht verhindern. Die nahezu vollständige Zerstörung und Entvölkerung einer der größten Städte des Reichs steht fast symbolisch für die Schrecken des Krieges. Deutschland verlor in diesem Krieg mit über sechs Millionen Toten weit mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung. In bestimmten Gebieten des Reichs betrug der Bevölkerungsverlust sogar mehr als sechzig Prozent.  

Im Kampf gegen den Kaiser und die Kaiserlichen kamen die Schweden bis München, mussten dann aber Wallenstein folgend wieder in den Norden zurückkehren. Dort kam es 1632 bei Lützen zur Schlacht, in der Gustav Adolf fiel. Als Wallenstein dann 1634 ermordet wurde, die Schweden aber mit dem Regenten Oxenstierna immer noch mächtig dastanden, lenkte de

r Kaiser mit dem Prager Frieden von 1635 ein. Dennoch dauerte es bis zum definitiven Friedensschluss von Münster und Osnabrück noch 13 Jahre. Kardinal Richelieu wollte die Unruhe im Reich nicht abreißen lassen, da sie Frankreich nützte. Aber dennoch bereitete der Prager Friede den Westfälischen Frieden vor. Seit 1643 wurde unmittelbar über einen Friedensschluss verhandelt und zwar in Münster zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen und in Osnabrück zwischen den Kaiserlichen und den Schweden. Die Pattsituation zwischen beiden Seiten prägte sich immer klarer aus. Der w

estfälische Friedenskongress als erster internationaler Kongress aller großen europäischen Mächte verabschiedete am 24. Oktober 1648 die Pax Universalis von Münster uns Osnabrück. Sie wurde de facto das Reichsgrundgesetz für die folgende Zeit bis zur Französischen Revolution und Vorbild für spätere Friedensschlüsse. 

Inhaltlich regelte der Vertrag die Gleichstellung und reichsrechtliche Anerkennung nicht nur der Lutheraner und der Katholiken, sondern erstmalig auch der Reformierten (Calvinisten). Es gab zahlreiche territoriale Veränderungen, insbesondere verließen die Niederlande und die Schweiz definitiv den Reichsverband. Erneut erhielten die Territorialmächte das Bündnisrecht auch mit auswärtigen Ländern. Der Ausgleich zwischen Kaiser und Reichsständen wurde mit diesem Vertragsschluss wieder hergestellt. Der Westfälische Frieden von 1648 war ein Beispiel für sinnvollen Ausgleich und gelungene Machtbalance, was die Nazis später verurteilten. Die Folgen für Religion und Gesellschaft waren doppelter Art. Neben denen, die an Gott irre geworden waren und nur noch die Vernunft gelten lassen wollten, gab es die noch größere Zahl derer, die nun erst recht auf Gott bauten, was sich z.B. in den Liedern Paul Gerhards zeigt. 

 

Abb. Dr. Volker Dallmeier dankt dem Referenten für die Reformationsreihe 2018/2019.

 

 

30. Juni 2019: Festliche Bläser- und Orgelmusik in St. Philippus

 

Herr Dietrich Ackemann kam mit seiner 13 Musikerinnen und Musiker zählenden Celler Bläsergruppe, Mitglied der Celler Stadtkirche, zu uns mit einem festlichen Konzert. Es war wohl der Hitze dieses Sonntags geschuldet, dass die Zuhörerschaft nicht in verdienter Fülle zu diesem wunderbaren Konzert erschienen war. 

Die beiden Orgelstücke von Joh. Seb. Bach (1685-1750), von Michael Voigt meisterhaft gespielt, waren ein sehr gutes Zwischenspiel bei den tollen Stücken, die uns von den Bläsern geboten wurden.

Es begann mit einem Entrée von Alexandre Guillmant (1837-1911), das sehr schön und feierlich dargeboten wurde.

Jens Uhlenhoff (geb. 1987) folgte mit dem Choral „Bewahre uns Gott“, getragen und abwechslungsreich vorgetragen, was mir sehr gefiel.

Johann Strauß (1827-1899) mit „An der schönen blauen Donau“ wurde beschwingt und großartig gespielt.

Danach war Guiseppe Verdi (1813-1901) mit der Ouvertüre zu der Oper „Nabucco“ in einer Bearbeitung für Bläser vertreten, ein sehr schönes Hörerlebnis!

Es folgte die Fuge c-Moll BWV 574 von Bach über ein Thema von Giovanni Legrenzi (1626-1690) mit ausgezeichneter Registrierung, die Fuge sehr gut hervorgehoben.

Michael Schütz’ (geb. 1963) „One more Dance“ kam sehr tänzerisch und gut gespielt rüber.

Jens Uhlenhoff (geb. 1987) hat den 23. Psalm in drei Sätzen eindrucksvoll umgesetzt. Und so wurde er auch von den Bläsern gespielt – wiegend, ruhig und tröstlich.

Anschließend hörten wir den englischen Komponisten und Kritiker Peter Warlock (1894-1930); mit seiner 1926 komponierten „Capriol Suite“ begeisterten die Bläser uns in allen 4 Sätzen – schwingend, ruhig, einschmeichelnd, mit viel Schwung.

Dann folgte wieder Bach (1685-1750) mit der Aria F-Dur BWV 587 nach einem Satz aus der Suite „L’impériale“ von François Couperin (1668-1733), ein sehr schönes Stück, wundervoll registriert und gespielt.

Jacob de Haan (geb. 1959) entführte uns nach Amerika in die Saloon- und Westernfilme mit seinem Stück „Oregon“ – toll!

Der Jazztrompeter Martin Reuthner (geb. 1971), für die Bläsergruppe engagiert, begeisterte mit dem Ohrwurm „Chattanooga Choo Choo“.

Friedrich Veil (geb. 1984) – sein Stück „Rumba del Camino“ wurde im feinsten Rumba geboten.

Als Zugabe von Christoph Georgi (geb. 1977) spielte die Bläsergruppe uns ein schwungvolles und modernes Stück vor. 

Ein begeisterter Applaus belohnte die Musiker. Vielen Dank an alle und Herrn Ackemann, der uns schon als Schüler mit seiner Trompete manchen Gottesdienst verschönte. Sein Vater, Dietrich Ackemann, war viele Jahre Kirchenvorstand in unserer Gemeinde. 

Hoffentlich traut sich die Bläsergruppe nochmals in unsere Gemeinde, das wäre schön!

Unser nächstes Konzert ist am 1. September 2019. Bitte vormerken und in großer Zahl kommen!

                                                                                                                                                                                Hannelore Bader

 

28. Juni 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche – Exkursion zur Sigwardskirche

Am Freitag, dem 28. Juni fand die letzte Veranstaltung des Männerkreises vor der Sommerpause statt. Geplant war eine Exkursion nach Idensen westlich von Wunstorf. Der Vorschlag kam von Helmut Westendorf, der Mitglied des Freundeskreises der Sigwardskirche ist. Denn dort in Idensen steht mit der Sigwardskirche ein Juwel mittelalterlicher  Baukunst. Es handelt sich um einen Bau von hoher architekturgeschichtlicher Bedeutung, der als einer der herausragendsten sakralen Kleinbauten der Romanik gilt. Die Kirche ist benannt nach Bischof Sigward von Minden, der sie in den Jahren von 1129 bis 1134 erbauen ließ. Als Teil der Kirchenprovinz Köln folgte das Bistum Minden den Kölner Traditionen, u.a. der Legende von der heiligen Ursula und den elftausend Jungfrauen. Daher wurde die Sigwardskirche der heiligen Ursula geweiht. 

Rolf Herrmann, der Vorsitzende des Freundeskreises der Sigwardskirche und Ortsbürgermeister von Idensen, übernahm die Führung der Gruppe. Durch die knapp 30 Teilnehmer entstand der Eindruck, die Kirche sei voll besetzt. Rolf Herrmann führte mit großer Sachkenntnis in das typologische Bildprogramm der Sigwardskirche ein. Dieses Programm folgt mit überzeugender Eindringlichkeit dem Schema von Verheißung und Erfüllung: Was im Alten Testament angekündigt wird, erfüllt sich im Neuen Testament.  Was die Propheten des Alten Testaments ankündigten, verweist auf Christus, der als Pantokrator die Szene vom Apsisgewölbe aus beherrscht. Die Führung war notwendig, weil die  Südwand der Kirche mit den Fresken zu Szenen aus dem Alten Testament aufgrund eines Schadens am Dach der Kirche durch eindringendes Wasser Schaden genommen hatte, so dass nur noch wenig von den Bildern erkennbar ist. Ganz anders dagegen die Nordwand: Hier ist z. B. die Darstellung des Pfingstwunders als eines Sprachwunders dem Bild vom Turmbau zu Babel, der die Sprachverwirrung zur Folge hatte, gegenübergestellt. Entsprechend zeigt die Südseite die Geschichte von Sodom und Gomorra und stellt sie dem Jüngsten Gericht gegenüber, um so auf Christus als den Weltenrichter zu verweisen. Sehr deutlich ist auch die Gegenüberstellung der gegensätzlichen Bedeutungen, die dem Wasser zugeschrieben werden: Hier die Verderben bringende Sintflut und dort die heilbringende Taufe. 

Die ganze Führung von Rolf Herrmann wurde unterteilt durch musikalische Beiträge unserer Flötistin Marie Leinpinsel, die durch ihre musikalische Begleitung und die Auswahl sehr passender Stücke dem Ganzen eine besondere Würde verlieh. 

Im zweiten Teil der Exkursion fuhr die Autokolonne in die Gegend von Bergkirchen, wo es einen wunderbaren Ausblick auf das Steinhuder Meer auf der einen Seite des Höhenzuges und zur anderen Seite eine gute Sicht auf das Wesergebirge mit der Porta Westfalica gab. 

In Bockeloh (am Kaliberg) setzte sich die ganze Korona beim Italiener zu Tisch und wartete auf das bestellte Essen. Da es ein wenig dauerte, gab es viel Gelegenheit um mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Erlebnisse des Tages zu plaudern. 

Wir danken Helmut Westendorf für die umfängliche Vorbereitungsarbeit!

 

Ende August 2019: Finissage der Ausstellung "Was konnten sie tun?" 

 

Die Ausstellung „Was konnten sie tun?“ über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1939 – 1945 schließt am 31. August ihre Pforten im Gemeindehaus von St. Philippus. Das Interesse der Gemeinde und von Menschen aus anderen Gemeinden, Stadtteilen und Ortschaften war weitaus größer als bei jeder anderen Ausstellung, die in unserem Gemeindehaus gezeigt wurde. Eine Rolle spielte dabei ein Artikel in der Evangelischen Zeitung, der von vielen gelesen wurde.

Am 21. August referierte Martin Stupperich für eine Frauengruppe, die z.T. aus Nienburg angereist war. Durch einen Stuhlkreis in der Eingangshalle entstand eine Gesprächssituation, die von den Teilnehmerinnen intensiv wahrgenommen wurde. Auch Fragen, die über den Widerstand 1939 – 1945 hinausreichten, wurden diskutiert. Das Interesse speist sich auch aus einer allgemeinen Entwicklung zu höherer Aufmerksamkeit und intensiverer Wahrnehmung der Geschehnisse während der NS-Zeit. Diese Phase hat das Schweigen der Nachkriegszeit und das Erschrecken der Jugend über die Taten der Generation ihrer Väter abgelöst. Es folgte eine Phase der Verdrängung aus Angst vor den anklagenden Bildern aus den Vernichtungslagern. Erst jetzt in ihrem Alter ist die Kriegsgeneration in der Lage frei über die Vorgänge zu sprechen, die für sie stets eine erhebliche seelische Belastung bedeutete. Viele beteiligen sich auch an der lokalgeschichtlichen Aufarbeitung der NS-Zeit. Solche Gruppen gibt es überall, auch weit über Hannover hinaus. Und so tauschte sich die Frauengruppe am 21. August über ihre persönlichen Schockerlebnisse angesichts der Informationen über die Vernichtungslager aus. Es war ein Akt von Weitsicht, dass den Teilnehmern des deutschen Widerstandes das Schicksal Deutschlands nach Beendigung des Krieges vor Augen stand.

Die Ausstellungstafel über Henning von Treskow enthält dazu das Zitat vom ihm aus dem Juni 1944: „Das Attentat auf Hitler muss erfolgen, um jeden Preis. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem der Staatsstreich versucht werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“

 

 

23. August 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Joachim Döring, Der „typisch amerikanische“ Pragmatismus

Am 23. August begannen wieder die regelmäßigen Abende des Männerkreies Isernhagener Gespräche nach der Sommerpause. Pastor Joachim Döring referierte über das Thema „Das Denken denken und den Glauben glauben. Von der Faszination der Philosophie des Pragmatismus.“ Es war letztlich ein Abend über das typisch amerikanische Denken. Dazu stellte der Referent mehrere Persönlichkeiten vor beginnend mit Charles Sanders Peirce (1839 – 1914). Das Ganze wurde auf dem Hintergrund von Kants Definition der Aufklärung von 1784 entfaltet mit der Aufforderung: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Die Amerikaner brauchte man eigentlich nicht zu ermutigen. Sie waren in vieler Hinsicht die Schrittmacher der technischen Moderne. So hatte z.B. Peirce keinerlei Bedenken, das Begriffspaar Induktion und Deduktion durch einen dritten Begriff zu ergänzen: die „Abduktion“. Damit meinte er die kreative Bildung von Hypothesen. Ein Mann wie William James (1842 – 1910) konnte sagen, dass Wahrheit dasjenige ist, was sich praktisch bewährt, d.h. was den größten Nutzen durchaus im Sinne von Profit und Erfolg bringt. Hier zeigt sich ein Denken, das sich bruchlos in die Vorstellungswelt einfügt, die für uns das Amerikanische ausmacht.  Der dritte im Bunde, den der Referent vorstellte, war John Dewey (1859 – 1952). Er ist der einzige aus der Reihe der Repräsentanten des amerikanischen Pragmatismus, der über das Fachpublikum hinaus in der europäischen Öffentlichkeit bekannt wurde. Er sah es als eine Bereicherung bei der Problemlösung an, möglichst viele Menschen konstruktiv zu beteiligen. Die Fähigkeit zur Kooperation müsse schon in der Schule geübt werden. Dewey wirkte daher vor allem auf das Feld der Pädagogik ein. Er gilt in Deutschland als der Erfinder der Projektmethode im Unterricht. Interaktion und Kooperation haben seitdem den Lehrervortrag weitgehend ersetzt. Für die Demokratie in unserem Land ist Deweys Methode von unschätzbarem Wert. Wegen der fortgeschrittenen Zeit konnte der Referent nicht alles bringen, was er vorbereitet hatte. Insbesondere betraf dies den zweiten Teil der Titelformulierung „den Glauben glauben“. Die nachfolgende Diskussion, die recht angeregt verlief, konnte hier manchen Gedanken dazu aufgreifen. 

 

26. Augutst 2019: Seniorenfahrt nach Wiekenberg

Bei herrlichem Sonnenschein, aber hohen Temperaturen konnte der Seniorenkreis am 26. August zur Fahrt nach Wiekenberg starten. Im Bus war es angenehm kühl. Es ging über Großburgwedel, Fuhrberg, Allerhop und Ovelgönne durch eine wald- und wiesenreiche Landschaft nach Wietze, von dort zu dem abseits gelegenen Ortsteil Wiekenberg, einem kleinen Dorf mit stattlichen Bauernhöfen. Unser ZIel war die Stechinelli-Kapelle, eine in ihrer Art einmalige kleine Kirche.

Uns erwartete als Kunstführer Herr Leuchtenberger. Er war früher Lehrer für Kunst und Werken am KWG in Hannover, wohnt seit langem in Wiekenberg und setzt sich unermüdlich für den Erhalt der Kapelle ein.

Wir blieben im Schatten der Eichen und betrachteten die ungewöhnliche Form der Kapelle, die mehr nach einem landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude aussieht. Der Grund liegt in der Person des Erbauers, Francesco Maria Capellini, genannt Stechinelli. Der Welfenherzog Georg Wilhelm hatte ihn als Jungen aus Italien mit nach Hannover genommen. Er diente ihm als Kammerdiener und war geschickt in allen Dingen. Als der Herzog nach Celle umzog, nahm er ihn mit. Inzwischen war Stechinelli durch Schenkungen des Herzogs und durch Handel zu Vermögen gekommen. 

Herr Leuchtenberger erzählte uns dazu viele interessante Einzelheiten. Jedenfalls konnte Stechinelli 1677 das Gut Wiekenberg kaufen. Ein Jahr später wurde er zum General-Erbpostmeister ernannt. Stechinelli war katholisch. Um katholische Messen feiern zu können, begann er 1692 mit dem Bau einer katholischen Kirche. Die protestantischen Kirchenoberen stimmten jedoch erst zu, nachdem Stechinelli sich verpflichtet hatte, den Bau nach außen so zu gestalten, dass er als Gotteshaus nicht zu erkennen sein würde. Außerdem schloss er mit dem Winsener Pastor einen Vertrag für zwei evangelische Gottesdienste im Monat. 

Wir gingen in die Kirche und nahmen auf dem alten etwas schmalen Gestühl Platz. Die äußere Schlichtheit der Kapelle glich Stechinelli durch eine reiche Innenausstattung aus. Der Raum ist im barocken Stil ganz ausgemalt, Kanzel und Altar sind mit reichem Schnitzwerk versehen. Viel erzählte uns Herr Leuchtenberger über die vielen Restaurierungen, die im Laufe der Jahrhunderte gemacht werden mussten. Zuletzt wurde 2008 die einsturzgefährdete  Westwand abgerissen und dafür das Fachwerk wieder hergestellt. 2011 wurde ein Taufengel vom Dachboden restauriert und wieder aufgehängt. Die Kapelle ist heute evangelisch. 

Der Kapelle gegenüber liegt der "Büchtmanns Hof". Dort waren unter einer Kastanie Kaffeetische gedeckt. Wir wurden mit typischer Heidetorte verwöhnt und hatten Zeit für Gespräche.

Nach einem schönen Tag brachte unser Busfahrer Thomas uns sicher zurück zur Philippuskirche.

 

1. September 2019: Konzert zur Eröffnung der "Woche der Diakonie": Weltreise

 

 

Zum Abschluss des Gemeindefestes und als Auftakt der Woche der Diakonie entführten uns Marie Leinpinsel (Flöte) und Michael Sodt (Klavier) auf eine Weltreise. Dazu wurden Bilder gezeigt, die auf die erschreckenden sozialen Zustände aufmerksam machten, die sehr im Gegensatz zu der Musik standen. Die Musikstücke verlangten den Künstlern hohe Technik und Einfühlsamkeit ab, was meisterhaft rübergebracht wurde. So wurde es wieder einmal ein gelungenes Konzert.

Es begann mit Ungarn: F. Doppler (1823 – 1883) - Die Phantasiepastorale (Op. 26) zeigte sich im1. Satz schwermütig, der 2. Satz tänzerisch, gefiel mir sehr gut. 

Griechenland: S. Nichifor (* 1954) - Der Sirtaki war sehr schwungvoll, toll gespielt.

Russland: W. Popp (1828 – 1902) - Russisches Zigeunerlied; es war abwechselnd schwermütig und überströmend, wunderbar, typisch russisch. Japan: Traditional Sakura. Man hörte die Einsamkeit sehr gut heraus. 

Indien: W. Popp (s.o.) - Die Revue indienne, op.79, ein Arrangement von Marie Leinpinsel, war rebellisch, resignierend, hoffnungslos, toll vorgetragen; mir gefiel es sehr. 

Australien: Traditional, National Anthem from Australia, sehr eingehend und gekonnt gespielt. 

Afrika: A. Ibrahim (*1934) - Afrika Song Nr. 8. Man sah und hörte die Menschen tanzen wie nur sie es können.

Argentinien: M. Rodriguez (1832 – 1948) - La Cumparsita, ein typischer Tango, schwungvoll, mitreißend, wunderbar.

Peru: D. A. Robbs(1871 – 1942) - El condor pasa, ein Ohrwurm, man konnte beinahe mitsingen. 

Kuba: J. F. Diaz(1908 – 1979) - Guantanamera. Ebenfalls ein Ohrwurm, den jeder kennt. Mir gefiel es sehr. 

USA: A. Terschak(1832- 1901) - Columbus, op. 132, eine typische Westernmusik, die sehr bekannt ist („America the beautiful“ und „Oh Susanna“).

Irland: Traditional. Ein Irish Jig Medley. Die Piccoloflöte zwitscherte uns eine tolle irische Musik vor.

Spanien: W.Popp (s.o.) - Der Spanische Tanz wurde sehr schwungvoll und mitreißend vorgetragen. 

Die Zugabe brachte den Hörern typische Zigeunermusik, die immer mitreißend ist. So war dieser Nachmittag mal wieder ein Hochgenuss; vielen Dank den Künstlern, und wir hoffen auf ein Wiederhören im nächsten Jahr. Der starke Applaus zeigte, dass es allen sehr gefallen hatte.

                                                                                                                                                                Hannelore Bader

 

Dr. Martin Stupperich ergänzt noch einige Bemerkungen über den Bezug zum Thema der Woche der Diakonie:

Als Abschluss des Gemeindefestes fand ein Konzert unter dem Titel „Weltreise“ statt. 

Es war eine besondere und vielleicht auch wegweisende Idee, anhand von 13 Bildern, die mit Hilfe eines Beamers an die Wand geworfen wurden und die auf dem Weg über 13 Musikstücke interpretiert wurden, auf die besonderen Probleme in den gezeigten Ländern hinzuweisen. Das Wegweisende dieses Formats liegt darin, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer bzw. Zuschauerinnen und Zuschauer nicht umhin können, ihr Wissen nachhaltig zu erweitern und über die Musik auf die Dringlichkeit der Probleme in manchen Ländern gestoßen werden. Denn in den hiesigen Zeitungen erfährt man nur selten etwas Vergleichbares aus den gezeigten Weltgegenden. Gerade deshalb wäre es schön gewesen, mündlich zu jedem Bild kurz etwas zu sagen, denn das dankenswerter Weise mitgelieferte Einzelblatt mit Kurztexten war nicht für alle Zuhörerinnen und Zuhörer auf Anhieb verständlich. Vieles war verblüffend und angesichts der genannten Länder schwer vorstellbar und in der Tat „unerhört“. So war es etwa für viele überraschend, dass in Australien jedes fünfte Kind zu wenig zu essen bekommt (genannt Stille Epidemie). Aus aktuellem Anlass hätte man noch ausfürhlicher auf die Beseitigung großer Teile des peruanische Regenwaldes hinweisen können, wo bereits Projekte der industrellen Landwirtschaft zum Opfer fallen. 

                                                                                                                                                              Martin Stupperich

 

4. September 2019: Woche der Diakonie – Literaturabend mit Unerhörten Texten

 

Es war die zweite Veranstaltung, mit der die St. Philippus-Gemeinde die Woche der Diakonie gestaltete. Die Idee stammte von Dr. Volker Dallmeier und aus dem Gemeindebeirat, und daher war es auch der Vorsitzende des Gemeindebeirats, Pfarrer Gottfried Bührer, der die Vorbereitung und die Leitung des Abends übernommen hatte, der Flüchtlingen und ehemaligen Obdachlosen eine Chance gab, ihre eigenen Gedichte und literarischen Erzeugnisse vorzutragen. 

Die achtzehnjährige Kurdin Mitanya Issa las aus ihren sehr zu Herzen gehenden Gedichten, die sie – sehr modern – von ihrem Handy ablas. Diese Gedichte trafen die Situation der syrischen Flüchtlinge, die mit der ersten großen Flüchtlingswelle 2015 über die Balkanroute gekommen waren, sehr gut. Manche, so sagte sie im Gespräch, hätten gefragt, ob sie über deren eigenes Schicksal geschrieben habe. Auffallend war, dass sie, die als Vierzehnjährige nach Deutschland kam, ohne ein Wort Deutsch zu können, in so kurzer Zeit die hiesige Sprache erlernte, dass sie in der Lage war deutsche Gedichte zu schreiben. Zwei der Gedichte allerdings trug sie in ihrer Muttersprache Kurdisch vor (Herr Bührer übersetzte). 

In der Struktur ähnelten diese Gedichte denen, die ihr Vorredner Matthias  Cramervorgetragen hatte. Sie handelten von der Situation eines Menschen, der aus allen Bezügen gerissen zusehen muss, wie er sein Leben bewältigt. Dabei scheint es weitgehend gleichgültig zu sein, aufgrund welcher Umstände er in diese Lage gekommen ist. Es geht um das Lebensgefühl eines streckenweise sehr einsamen Menschen, seine Fragen an das Leben, seine Perspektiven, seine Handlungsmöglichkeiten. Schon, dass Mitanya Issavon eine Gruppe junger kurdischer Männer begleitet wurde, die sich im zweiten Teil des Abends wie ein Schutztruppe um sie scharten, zeigte schlaglichtartig die Probleme im scheinbar so sicheren deutschen Zufluchtsland auf. Für Matthias  Cramerhingegen ist die neue Erfahrung von Sicherheit und menschlichen Beziehungen die tägliche Arbeit in der Kleiderkammer an der Berliner Allee.  

Das Format dieses Abends war gut gewählt und gut vorbereitet. Es waren zahlreiche Besucher gekommen, die interessiert und angeregt dem Vorgetragenen folgten. Das galt auch für den Asphaltverkäufer Tom Velten, der seine Erfahrungen in der Obdachlosigkeit mit dem Schreiben von Büchern verarbeitet. Diese Bücher erscheinen im Selbstverlag, d.h. er muss als Autor auch die wirtschaftliche Seite, den Verkauf und die Werbung, selbst leisten. Für ihn war auch der Abend in der St. Philippus-Gemeinde eine Gelegenheit dazu, von der er gern Gebrauch machte.  Bei einzelnen der vorgetragenen Stücke sprang Pfarrer Bührer als Interview-Partner ein, bei anderen betätigte er sich als Helfer bei der Materialordnung und bei Detailfragen der Performance des Ganzen. Auch diese Vorträge forderten zu Nachfragen heraus, die dann breit und ausführlich beantwortet wurden. Besonders stach hier sein Exkurs zu der Frage „Was sind eigentlich Schlichtwohnungen?“ heraus. 

Die Besucher verließen den Saal mit dem Gefühl, einer Welt begegnet zu sein, die ihnen bislang weitgehend verschlossen geblieben war.

 

6. September 2019: Projekt Bienenwachstücher des Greenteams

 

Mit Bienenwachstüchern können Sie Speisen und Getränke abdecken und damit auf Plastik- und Alufolie verzichten. Sie halten 8 bis 10 Monate und können dann problemlos entsorgt werden, da sie aus reinem Bienenwachs und 100% Baumwolle bestehen. Eine Möglichkeit: Sie verwenden sie zum Anzünden des Kamins!

Wie werden diese Tücher hergestellt? Das haben sechs Frauen mit Shengül Akyol ausprobiert: ein Baumwolltuch wird auf ein Backpapier gelegt, mit Bienenwachspellets belegt und wieder mit Backpapier abgedeckt. Ein heißes Bügeleisen schmilzt die Pellets und tränkt das Tuch mit dem Wachs. So einfach geht es. Aber – Vorsicht – zu viele Pellets sorgen für eine Wachsschwemme! Wir haben darum auf Anraten von Shengül auf einem Backblech gearbeitet.

Sie möchten auch Bienenwachstücher ausprobieren? Dann freuen Sie sich auf den Verkaufstisch des Green Teams anlässlich der Hubertusmesse!

 

 Johanna Koch

 

27. September 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - „Fest gemauert in der Erden ...“ St. Philippus hat ein Schilling-Geläut

 

Es war ein Männerkreisabend der besonderen Art: Anders als sonst läuteten alle vier Glocken unseres Turmgeläuts, um einen Vortrag von Volker Dallmeier einzuleiten. Das Thema lautete „Die Glocken läuten nicht mehr, weil Hitler es so will. – Geschichte der Glocken Mitte des 20. Jahrhunderts“. Alle an die sechzig Teilnehmer und Gäste des Abends konnten sich auf den wunderbaren vollen Klang der Glocken vom St. Philippus-Turm konzentrieren. Es ging um die Geschichte des eigenen Geläuts und darüber hinaus um die Geschichte der Glocken überhaupt. Denn Glocken sind dauerhaft. Die ältesten noch erhaltenen Glocken im christlichen Europa stammen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die älteste Glocke Hannovers, eine Glocke aus dem 13. Jahrhundert, hängt im Turm der Vahrenwalder Kirche. Auch andere Kirchen in Niedersachsen und in der Hannoverschen Landeskirche können auf Glocken aus vorreformatorischer Zeit verweisen.

Viele, auch der alten Glocken, aber wurden Opfer der kriegsbedingten Einschmelzungswut, um an Rohstoff für den Kanonenguss zu gelangen. Als einzelne der mit dem Schmelzvorgang befassten Hütten im Hamburger Raum von Fliegerbomben getroffen wurden, endeten die angelieferten Glocken auf großen Halden, auch „Glockenfriedhöfe“ genannt. Der Referent zeigte Bilder solcher Glockenfriedhöfe. In der Nachkriegszeit gelang es nicht immer, diese noch erhaltenen Glocken den Heimatkirchen zuzuordnen. Viele wurden völlig neu in Auftrag gegeben. Und so entstand eine rege Aktivität der Glockengießerbetriebe in den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren.

Der bekannteste Glockengießerbetrieb war die Firma F. W. Schilling in Heidelberg, die auch das Geläut von St. Philippus hergestellt hat. Dieser Glockengießer und der ganze Vorgang des Glockengießens in der Nachfolgegießerei der berühmten Schilling-Gießerei standen sehr im Zentrum des Abends, insbesondere ein kurzer Filmstreifen, in dem der Vorgang des Glockengießens mit bekannten Zitaten aus Schillers Gedicht „Die Glocke“ unterlegt waren. Die Glockengießerei F. W. Schilling war deutschlandweit bekannt. Vermutlich trug die Tatsache, dass der spätere geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes Christian Mahrenholz (1900 – 1980), der in der Nachkriegszeit für die Regelung der Glockenprobleme zuständig war und hier in Isernhagen-Süd im Birkenweg wohnte,  dazu bei, dass seine Ratschläge für die Bestellung der Glocken an die richtigen Adressen gelangten. Und F. W. Schilling in Heidelberg war die damals angesagte Glockengießerei.     

 

28. September 2019: J. W. Kalliwoda: Missa a 3 - Chorkonzert in St. Philippus

 

Diesmal erlaubte ich mir den Luxus zuzuhören und nicht mitzusingen, denn man kann keine objektive Kritik schreiben, wenn man selbst mitsingt. 

Das „Kyrie“ aus der Kalliwoda-Messe, von Yvonne Nickel dirigiert, war durch die drei Chöre von St. Nathanael, St. Philippus und St. Nicolai ein eindrucksvoller Beginn des Konzerts.

Pastorin Busse begrüßte alle Sänger, Dirigenten und die Gemeinde mit herzlichen Worten.

Dann spielte Matthias Heßbrüggen die Messe a l'usage de paroisses von François Couperin (1668 – 1733). Der Registerzug war toll gewählt und bestimmte den wunderbaren Hörgenuss.

Heßbrüggen war von 2006 – 2009 unser Chorleiter und bis 2011 unser Kantor. 2008 sangen wir zwei Bachkantaten im Chor mit ihm. Couperin, der auch „Le Grand“ genannt wurde, war ein französischer Organist und Komponist und zugleich Hofkomponist Ludwigs XIV. Er komponierte unendlich viele Stücke, da der König nie ein Musikstück zweimal hören wollte. Sein Amt als Organist an der Hofkapelle in Versailles war schon deshalb sehr wichtig, weil König Ludwig XIV. den Glauben und die Kirche auch als Machtstütze pflegte. 

 

Das Gloria der Kalliwoda-Messe dirigierte Sigrun Dehnert-Hammer, ebenso das Credo, welches der Chor mit Schwung und sehr gut darbot. 

Johann Wenzel Kalliwoda (1801 - 1866) war Hofkomponist und Violinist im Dienst der Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte und das musikalische Leben des Hofes gestaltete. Er stammte aus Prag. Aber der Fürst von Fürstenberg verstand es ihn zu halten, so dass er verlockende Angebote nach Köln, Mannheim oder Leipzig ablehnte. Seine Missa a 3 (kleine G-Dur-Messe) entstand um das Jahr 1850. Es ist eine Messe, die auch der Chor von St. Philippus und darüberhinaus der aus drei Chören zusammengefügte große Chor aller drei Gemeinden gut bewältigt. Gerade die Neigung zum Volkstümlichen mit einfacher Stimmführung entsprach den kirchenmusikalischen Neigungen der Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts.  

Nach dem „Gloria“ von Kalliwoda spielte Heßbrüggen 9 Sätze der genannten Messe von Couperin, die wieder sehr gut registriert dargeboten war – großes Lob! Es folgten dann die weiteren Sätze der Missa a 3: „Sanctus“, „Benedictus“ und „Agnus Dei“. Die drei Chöre harmonierten in allen Darbietungen sehr gut. Dadurch ergab sich ein voller schöner Klang, der von Matthias Heßbrüggen sehr gekonnt und einfühlsam begleitet wurde. 

 Das Konzert war ein tolles Erlebnis, was der starke Applaus bestätigte. Wir danken allen Mitwirkenden! Vielleicht sollte man Ähnliches demnächst wiederholen.

 Hannelore Bader 

 

25. Oktober 2019: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Prof. Dr. von Engelhardt spricht über Kängurus

Am 25. Oktober befasste sich der Männerkreis mit dem Thema „Kängurus, hüpfende Beuteltiere mit einzigartigen Besonderheiten“.  Es war ein hochinteressanter Abend, bei dem die fast fünfzig Teilnehmenden ungemein viel Neues erfuhren. Wir wurden zwar nicht gefragt, ob in unserem früheren Biologieunterricht das Känguru dran gewesen sei. Aber wären wir gefragt worden, dann hätten so gut wie alle bekennen müssen, dass ihr 

Wissen nicht über den Wortlaut des Vortragstitels hinaus gehe, nämlich dass Kängurus einen Beutel haben und hüpfen. Schon die nächste Auskunft, die manche triumphierend hinzugefügt hätten, dass nämlich Kängurus nur in Australien leben, wäre falsch gewesen, was allen Teilnehmer(innen) des Abends nach dem Vortrag geläufig war. Und es war ihnen durch den Vortrag von Herrn Prof. von Engelhardt noch einiges mehr an Wissen zugeflossen. So erfuhren wir, dass Beuteltiere, und dazu gehören die Kängurus, zu den ältesten Geschöpfen der Tierwelt gehören. Sie sind durch die Kontinentalverschiebung auf dem Weg von Nord- nach Südamerika und die Arktis schließlich in Australien hängen geblieben. Allerdings gibt es in Gestalt des Opossums auch heute noch eine Beuteltierart in Nordamerika. Besondere Bewunderung erzeugte der Vorgang der Wanderung des Fötus in den Beutel, den der Fötus gleich wenige Tage nach der Geburt aus eigener Kraft vollbringen muss und für den er gerade einmal drei Minuten zur Verfügung hat, wenn er die Herausforderung erfolgreich bestehen will. Wenn er es aber schafft, wächst er im Beutel heran, wird dort ernährt und kehrt immer wieder dort hinein zurück, bis er schließlich seine eigenen Wege finden muss.

Alles wurde von Herrn von Engelhardt mit Bildern und Texten unterlegt, so dass das Zuhören erleichtert wurde. Es war ein Begeisterung auslösender Abend, der auf der Seite des Publikums zahlreiche Fragen an den Referenten auslöste, die alle auch nach fast zwei Stunden noch in perfekter Weise beantwortet wurden. Schließlich fasten die Kängurus selbst mit anschaulichen Sprüchen in Gesprächsblasen zusammen, was im Verlauf des Abends gelernt worden war. 

 

Prof. von Engelhardt mit seinem legendären Zeigestock

 

27. Oktober 2019: Klavierkonzert des Pianisten Xingyu Lu

 

Am 27. Oktober fand in unserer Kirche ein hochkarätiges Konzert des jungen chinesischen Künstlers Xingyu Lu statt. 

Xingyu Lu wurde 1999 in China geboren.  Mit vier Jahren begann er Klavier zu spielen. Als er das Frühstudium am Central Conservatory of Music in Peking aufnahm, war er erst neun Jahre alt. Drei Jahre später  erhielt er ein Stipendium, um in den USa weiter studieren zu können. Zur Zeit verfolgt er das Ziel, bei Prof. Bernd Goetzke an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover den Bachelor zu erreichen.   

Die Konzertbesucher empfing gleich zu Beginn ein wahres Feuerwerk an Tönen und Eindrücken. Wie kann man nur so viele Stücke im Kopf behalten? Wahnsinn! Und so kamen wir als Zuhörer in einen besonderen Hochgenuss des Nachmittags. Dem zwanzigjährigen Künstler sei Lob und Dank gezollt. Das schon einmal im Voraus! 

Zuerst stand Claude Debussy (1862 – 1918) auf dem Programm mit seinem Stück „Pour le Piano“. Der erste Satz Prelude, gewaltig, aber auch zart und insgesamt toll gespielt, wurde gefolgt von „Sarabande“, einem getragen dargebotenen Satz,  und einer voller Elan gespielten Toccata. 

An zweiter Stelle standen  Beethovens „Sechs Variationen für Klavier, op. 34“. Das Thema wurde Adagio und cantabile (F-Dur) gespielt, ein typischer Beethoven. Es folgten die Variationen: 

Variation 1 (F-Dur) lieblich; Variation 2 (B-Dur) gewaltig; Variation 3 (G-Dur) fröhlich; Variation 4 (Es-Dur) beschwingt; Variation 5 –Moll) verhalten; Variation 6 (F-Dur) sehr schön; zuletzt Coda (F-Dur) - alle Sätze aussagekräftig gespielt.

Als drittes Stück erklang von Franz Liszt (1811 – 1886) der Totentanz für Klavier solo (Searle-Verzeichnis 525), sehr beeindruckend, z.T. versöhnlich, tanzend, voller Elan gespielt, großes Lob dem Künstler.

Nach der Pause folgte Robert Schuman (1810 – 1856) mit seinen Sinfonischen Etüden, op. 13. Auf diese Etüden möchte ich nicht im Einzelnen eingehen. Mein Eindruck war: tänzerisch, getragen, jedes Stück sprach wundervoll für sich. Ein Hochgenuss mit Vielfalt in der Ausdruckskraft. Das Thema trat immer wieder hervor. 

Die Zugabe war ein rasantes Stück. Die Finger flogen nur so über die Tasten.

Mit einem großen Applaus bedankte sich das Publikum bei dem jungen Künstler, und wir gingen beschwingt und begeistert nach Hause. 

Vielen Dank an Xingyu Lu für dieses Erlebnis!

Hannelore Bader

 

31. Oktober 2019: Reformationsfest

 

Das Reformationsfest am in Niedersachen gesetzlich wieder eingeführten Reformationstag wurde in St. Philippus mit einem Gottesdienst am Vormittag und einem Gemeindeabend ab 18.00 Uhr gefeiert. 

Der alttestamentliche Predigttext des Gottesdienstes aus 5. Mose 6,4-9 verhielt sich als Gebotstext naturgemäß etwas sperrig gegenüber dem Anliegen der Reformation. Aber die neue Perikopenordnung sieht es so vor. Es geht in dem Text um das bekannte „Höre, Israel, der Herr ist einer ...“ . Natürlich ist dieser Text wichtig, ja sogar zentral. Aber hat nicht ein Bibelvers wie Röm 3,28: „So halten wir nun dafür, ... dass der Mensch durch den Glauben gerecht gesprochen werde, ohne Werke des Gesetzes“ mehr Reformationsaffinität? Dennoch: Es geht auch hier zentral um den Glauben, wenn auch nicht um den Glauben in Christus, der in den Evangelien verkündet wird, und der Luther stets so wichtig war. Alles lässt sich natürlich in der relativ kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht erfassen.

Daher standen am Abend fünf Frauen im Mittelpunkt, die in der fiktiven Handlung eines  selbst geschriebenen Stückes die Luthers in Wittenberg besuchen. Sie wollen sich dort zur Beratung einfinden - Luther sagt: zu einem „Frauen-Reichstag“ – um zu überlegen, wie sie als Frauen der Reformation zu dem gemeinsamen Anliegen beitragen können. Alles findet in nachempfundenen Kostümen der Zeit statt. Und jede der Frauen bringt eigene Ideen mit. Die eine möchte Lieder singen, dichtet selbst und will die Lieder unter das Volk bringen, die andere möchte die Kinder lehren, die dritte sorgt sich um die Familien insgesamt und hier besonders um die Rolle der Hausväter. Aber auch die zentralen Glaubenslehren möchten sie fördern, besonders vertreten durch die Flugblattschreiberin Argula von Grumbach und die Straßburger Pfarrfrau Katharina Zell. Auch die Probleme, mit denen die Reformation Tag für Tag zu kämpfen hatte, treten zu Tage, nicht zuletzt klingen vereinzelt für diejenigen, die genau hinhörten, die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Reformation an. Immerhin gingen nicht alle zur Reformation über. Auch das prägt die Handlung. Kurfürst Joachim I. von Brandenburg verfolgt seine eigene Gemahlin Kurfürstin Elisabeth als Ketzerin. Sie ist vor ihm auf der Flucht und sucht bei den Luthers Schutz, wo sie auf all die anderen Frauen trifft, die sich dann fürsorglich um sie kümmern. Elisabeth von Calenberg bringt ihren „verstockten“ Sohn Erich mit, der sogar zum Kaiser überlaufen will.

Nebenbei ergibt sich die Gelegenheit, all diese Frauen, die durchaus historische Charaktere darstellen, in unserer Gemeinde bekannt zu machen. Denn alle Frauen werden der Versammlung einzeln vorgestellt und in ihren Verdiensten und Besonderheiten gewürdigt: Die Liederdichterin Elisabeth Cruciger (Yvonne Nickel), Elisabeth von Dänemark, Kurfürstin von Brandenburg (Barbara Weber), Elisabeth von Calenberg und Göttingen (Ulrike Günther), Katharina Zell aus Straßburg (Karin Imbeck), Argula von Grumbach aus Franken (Heilke von Samson). Und natürlich tritt auch die Gastgeberin Katharina Luther (Amrei Stupperich) und ihr Mann Martin Luther (Volker Dallmeier) auf. 

Am Schluss geht die Handlung in einen gemeinsamen Gesang des Liedes von Elisabeth Cruciger „Herr Christ, der einig Gotts Sohn ...“ (Nr. 67 im Gesangbuch) über. Es ersetzt das Tischgebet vor dem reichhaltigen Essen, zu dem Katharina alle Gäste eingeladen hatte. Die Tische waren schön geschmückt und viele Helferinnen hatten ein fast zeitgenössiches Mahl vorbereitet, das zu Gesprächen reichlich Gelegenheit gab.

Abschließend erklang dann noch das unverzichtbare Reformationslied passend zum Anlass: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. ...“ - Text und Melodie von Martin Luther (wahrscheinlich 1529).

 

 

17. November 2019: 5. Barockkonzert

 

Es war ein wunderbares Konzert! Unsere Musikerinnen und Musiker steigern sich von mal zu mal. Man kann sie fast schon Profis nennen. Das Entree war bereits ein Genuss und versprach viel für den Abend.

Das Konzert begann mit dem Konzert in h-Moll (op. 21/4) von J. Biosmortier (1689-1755). Die Sätze erklangen schwungvoll, dann getragen und beim Allegro voller Elan. Wunderbar anzuhören.

Es folgte das Concerto e-Moll (TWV 51:a2) von G. P. Telemann (1681-1767) - beeindruckend das wunderbare Zusammenspiel!

Die bekannte 2. Orchestersuite in h-Moll (BWV 1067) von J. S. Bach (1685-1750) war in all ihren Sätzen meisterhaft gespielt und ein Hochgenuss anzuhören. Das Orchester harmonierte mit der Flöte.

 

In der Pause verwöhnte uns Familie Leinpinsel mit Köstlichkeiten, vielen Dank.

 

Nach der Pause folgte ein modernes Stück, die Scarborough Affair, eine Uraufführung des englischen Komponisten P. Thrift (geb. 1958), der sein Stück, das in größerer Instrumentierung aufgeführt wurde, selbst dirigierte. Es faszinierte mich sehr mit der meisterhaften Darbietung. Ich hatte noch Gelegenheit mit Mr. Thrift zu sprechen; er sagte, er hätte den ganzen Kopf voller Melodien. Hoffentlich gibt es eine Fortsetzung!

Am Schluss stand erneut Bach auf dem Programm, das 1. Brandenburgische Konzert (BWV 1046). Das von den 6 Brandenburgischen Konzerten bekannteste und am meisten aufgeführte war wunderbar gespielt - was für eine Freude in unserer Kirche!

Als Zugabe gab es noch Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik!

 

Es sind uns für das nächste Jahr zwei Konzerte angekündigt. Vielleicht bleiben von den „Neuen“ ja einige bei uns, dann können wir vielleicht noch andere Konzerte aus dem großen Spektrum hören, z. B. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“? 

Der starke Applaus in der außerordentlich gut besuchten Kirche zeigte die Begeisterung des Publikums. Das Konzert hat einen großen Eindruck gemacht. Dank an alle Künstlerinnen und Künstler – und wir freuen uns schon auf das nächste Mal!

                                                                                                   Hannelore Bader

 

 

29. November 2019: Männerkreis Iserhagener Gespräche - Versailles und der Dochstoß

Am 29.  November traf sich der Männerkreis Isernhagener Gespräche zu einem Doppelvortrag von Dr. Martin Stupperich und Dr. Rainer Bendick . Beide Referenten widmeten sich dem Kriegsende 1918 und dem Vertrag von Versailles. Dabei spielte die Dolchstoßlegende im ersten Vortrag eine besondere Rolle. 

Im Vortrag von Dr. Stupperich ging es um die Darstellung der Reaktion der politischen und militärischen Führung und der Bevölkerung in Deutschland auf die Niederlage, im zweiten Vortrag ging es demgegenüber um die Reaktion der französischen Führung und der französischen Bevölkerung. Beides war von der Präsentation zeitgenössischer Bilder begleitet. 

Als im Frühjahr und Sommer 1918 nach der letzten gescheiterten Großoffensive im Westen immer klarer wurde, dass der Krieg verloren war, hatte die Oberste Heeresleitung (OHL) ein erhebliches Problem. Sie hatte systematisch falsche Siegesmeldungen herausgegeben. Die plötzliche Nachricht von der Niederlage war ein Schock für die Menschen in Deutschland, denen der Sieg zum Greifen nahe gewesen war. Man fühlte sich hintergangen und verraten. Es wurde daher von der OHL die Legende in die Welt gesetzt, die Front sei von den Kräften der Friedensresolution des Reichstages (Sozialdemokraten, Zentrum und Fortschrittspartei) von hinten erdolcht worden. Es war die Geburtsstunde der sog. Dolchstoßlegende. Die Revolution brach aus. Der Kaiser war nicht mehr zu halten und ging ins holländische Exil. Deutschland wurde Republik. Der angebliche Dolchstoß, war für die rechtsradikalen Parteien (Deutschnationale und Nationalsozialisten) nicht Legende, sondern Wahrheit. Und in zahlreichen politischen Karikaturen wurde die den Dolch führende Hand mit einem Judenstern versehen. 

Wie aber reagierten die Franzosen auf die Niederlage Deutschlands und den Versailler Vertrag, den das Reich abschließen musste? Dieser Frage ging Dr. Bendick nach. Seine Darstellung überraschte viele. Denn der Referent sprach aus der Sicht eines Franzosen der Zeit nach 1918. Die Franzosen sahen den Vertrag als viel zu milde an. Im sog. Schuldparagraphen 131 sprach der Vertrag aus ihrer Sicht von Verantwortung, aber nicht von Schuld. Das Aufbegehren der Deutschen gegen die Reparationszahlungen betrachteten die Franzosen als geheuchelt, da ja am Ende von Deutschland nur sehr wenige Reparationen gezahlt worden seien (statt 269 Mrd. nur 23 Mrd.). Dr. Bendick trug auch die Haltung der deutschen Seite im Friedensschluss nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 vor und stellte fest,  dass der Frankfurter Friede von 1873 mit den Gebietsabtretungen von Elsass und Lothringen durch Frankreich und der Besetzung von Teilen Frankreichs bis zur Entrichtung der sehr hohen Kriegskontributionen ein gewisses Modell für den Versailler Frieden dargestellt habe. Zudem sei der Friedensvertrag  von Brest-Litowsk (März 1918) an Härte für die russische Seite schwer zu überbieten gewesen. In der Empörung der Deutschen über den "Schandfrieden" von Versailles, so meinten die Franzosen, hätten die Deutschen  vergessen, dass Deutschland dem durch die Revolution geschwächten Russland Bedingungen aufgenötigt habe, im Vergleich zu denen das Versailler "Diktat" eher milde gewirkt habe. 

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beeindruckt, einige wenige blieben reserviert. Insgesamt herrschte große Aufmerksamkeit in dem gut 50 Besucher umfassenden Auditorium. Vor allem der Versuch zwei unterschiedliche Sichtweisen durch zwei verschiedene Referenten einander gegenüberzustellen, wurde sehr begrüßt.

 

 

 

November 2019: Große Freude beim Greenteam - Wettbewerb GartenLust

 

GartenLust heißt der jährliche Wettbewerb des Grünflächenamts der Stadt Hannover – und in diesem Jahr waren besonders  Gemeinschaftsgärten (Urban Gardening!!) gefragt. 

Unser Kirchengrün – zusammengetragen aus den nachbarschaftlichen Gärten und gepflegt vom Green Team – schien mir genau diesen Anforderungen zu entsprechen. Also forsch angemeldet – von einer versierten Gartenarchitektin begutachtet –  und schließlich nach einer langen – langen „Amtspause“  - überraschend prämiert mit dem 3. Preis - gemeinsam mit „Berthas Beete-Essbare Südstadt!“ Dazu 300 € und eine Urkunde ..... .(irgendwann wenn die Amtsstube wieder besetzt ist).

Das Geld wird in das Kirchengrün fließen – Ideen dazu haben wir schon!

 

Für das Green Team: Christa von Plato 

 

 

 Adventsfenster 2019 im Gemeindehaus

Am 1. und 2. Advent ist in den Fenstern des Gemeindehauses jeweils ein Adeventsfenster geöffnet worden.

Jetzt freuen wir uns auf das 3. und 4. Fenster am 14. und 21. Dezember!

 

Ev.-Luth. St. Philippus-Kirchengemeinde Hannover-Isernhagen Süd| Login

Haftungsausschluss | Datenschutzerklärung